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Lernen von Meliksah Demir

Die Reaktion von Freunden bestimmt Freudegefühle

26. Januar 2017

Studenten sind glücklicher, wenn ihre besten Freunde warmherzig darauf reagieren, was sie Schönes erlebt haben. Diese Freundesreaktion, die Qualität der Freundschaft und damit befriedigte Bedürfnisse bestimmen die eigene Freude. Zu diesem Ergebnis kommen vier Studien US-amerikanischer Psychologen.

Reaktion auf positive Erlebnisse

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Meliksah Demir forscht an der Arizona State University zur Qualität von Freundschaften. In vier Studien, die in der Onlineausgabe des Journal of Happiness Studies abgedruckt sind, haben er und seine Forscherkollegen jetzt untersucht, wie sich die Reaktionen von Freunden auf die eigenen Freudegefühle auswirken.

Wenn jemand etwas Schönes erlebt hat und es seinem Freund erzählt, nennen das Psychologen „Verbesserungsversuch (capitalization)“, weil dadurch das eigene Wohlbefinden noch einmal gesteigert wird. Beispiel: „Du, ich habe heute eine Gehaltserhöhung bekommen.“ Die wahrgenommene Reaktion des Freundes auf diesen Verbesserungsversuch („perceived responses to capitalization attempts“) kann auf vier verschiedene Arten ausfallen:

In vier Studien gaben Studenten an, wie ihre besten gleich- oder gegengeschlechtlichen platonischen Freunde im Allgemeinen entsprechend dieser vier Möglichkeiten reagierten. Außerdem schätzten sie ein, wie glücklich sie sich fühlten, wie gut die Freundschaft war und ob die Freundschaft dazu beitrug, grundlegende Bedürfnisse zu befriedigen. Die Ergebnisse:

Warmherzige Antworten machten glücklich

Positive Reaktionen lösten mehr Freude aus. Sowohl für gleich- als auch für gegengeschlechtliche beste Freunde galt: Wenn ihre aktiv-konstruktive Art überwog und sie sich häufig bei positiven Neuigkeiten mitfreuten, waren die Studenten glücklicher („Im Allgemeinen schätze ich mich als sehr glücklich ein.“).

Die Qualität der Freundschaft war entscheidend. Der Zusammenhang zwischen der Reaktion der Freunde und dem Freudegefühl wurde durch die Qualität der Freundschaft und die Bedürfnisbefriedigung erklärt. Wer also Freunde hatte, die sich häufig mitfreuten, schätzte die Freundschaft insgesamt als angenehmer ein („Es macht Spaß, mit meinem Freund zusammenzusitzen und sich zu unterhalten.“) und sah grundlegende Bedürfnisse wie Eigenständigkeit, Fähigkeit und Verbindung befriedigt („Wenn ich mit meinem besten Freund zusammen bin, kann ich ganz ich selbst sein.“). Diese Bedürfnisbefriedigung und die gute Qualität der Freundschaft führten schließlich zu mehr Glücksgefühlen. Die Zusammenhänge galten aber nur für die engsten Freunde. Bekannte machten durch ihr Verhalten auf positive Erlebnisse nicht glücklicher.

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Die Ergebnisse sind nach Meinung der Autoren vor allem für jene hilfreich, die Schwierigkeiten haben, Freundschaften aufzubauen und zu pflegen. Sie könnten im Training lernen, begeisterter auf schöne Erlebnisse von Bekannten zu reagieren. Das Berichtete sollte dabei nachempfunden und ausgekostet werden. Ebenso müssten sie häufiger über eigene positive Erfahrungen erzählen. Skeptikern eröffnet sich damit eine andere Erlebniswelt: die freudvoller Erfahrungen.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Meliksah Demir, Andrew Haynes (Psychological Sciences, Northern Arizona University) & Shannon K. Potts (Department of Psychology, University of Southern California). (2016). My Friends Are My Estate: Friendship Experiences Mediate the Relationship Between Perceived Responses to Capitalization Attempts and Happiness [Abstract]. Journal of Happiness Studies, Online First Articles.

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