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Lernen von Nicolas Hays

Statusbedingter Geiz

31. Januar 2017

US-amerikanische Forscher haben in mehreren Experimenten herausgefunden, dass ein höherer Status geizig macht, besonders wenn er als gerechtfertigt angesehen wird. Teilnehmer, die aufgrund ihrer Testwerte die herausragende Rolle eines Ideengebers bekamen, spendeten weniger Geld fürs Team.

Ideengeber oder Arbeiter

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Nicholas Hays von der Michigan State University und Steven Blader von der New York University haben in mehreren Experimenten untersucht, wie sich der Status auf die Großzügigkeit auswirkt. Über ihre Ergebnisse berichten sie im Journal of Personality and Social Psychology.

An den Experimenten nahmen insgesamt 1.053 Studenten teil. In vorgeblichen Brainstormings wurden sie entweder der Rolle des angesehenen „Ideenproduzenten“ (hoher Status) oder des weniger angesehenen „Arbeiters“ (niedriger Status) zugewiesen.

Wieviel Geld geben sie?

Außerdem wurde die Rechtfertigung des Status beeinflusst. Einem Teil sagte man, die Rollenzuweisung erfolge nach einem aufgabenrelevanten Testwert (gerechtfertigter Status). Dem anderen Teil wurde deutlich gemacht, dass die Rollen lediglich nach ausgewogenen Geschlechterverhältnissen verteilt wurden (ungerechtfertigter Status).

Jenen mit ungerechtfertigtem Status wurde schließlich noch die Möglichkeit gegeben, ihr Gerechtigkeitsempfinden wieder herzustellen, indem sie etwas Besonderes fürs Team leisteten. Schließlich schaute man, wie großzügig die Teilnehmer waren, d.h. ob sie spezielles Experimentalgeld im Team verteilten oder selbst behielten.

Höhergestellt und knickeriger

Geiziger bei höherem, gerechtfertigtem Status. Jene mit dem höheren Status des Ideengebers waren insgesamt etwas geiziger als jene mit dem niedrigen des Arbeiters. Besonders deutlich wurde der Effekt, wenn der Status gerechtfertigt erschien. Teilnehmer, die glaubten, ihre Rolle liege an den eigenen Fähigkeiten, waren besonders geizig und behielten bis zu 670 von 1.000 Münzen Experimentalgeld für sich. Demgegenüber waren die hochgestellten Ideengeber besonders spendabel, wenn sie glaubten, den Status nur zufällig und ungerechtfertigt erhalten zu haben.

Das Gerechtigkeitsempfinden spielte eine Rolle. Jene mit zufälliger hoher Statuszuweisung waren grundsätzlich großzügiger. Das änderte sich, wenn ihnen eine zusätzliche Erklärung für ihre besondere Rolle angeboten wurde und sie etwa einen Gutschein fürs ganze Team gewannen. Dann stellte sich ein Gerechtigkeitsempfinden hinsichtlich Status und Leistung ein. Sie fühlten sich in ihrer herausragenden Rolle bestätigt und wurden dadurch wieder knausriger, ließen also weniger Münzen dem Team zukommen.

Geiziger durch Selbstgerechtigkeit

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Die Forscher fassen zusammen: „Entsprechend unserer Annahme fanden wir in sechs Studien, dass ein gerechtfertigter Status weniger großzügig, ein ungerechtfertigter Status hingegen großzügiger machte. Die Studien stützen unsere Vorhersage, wonach ein gerechtfertigter Status zu Knausrigkeit führt, weil er als gerecht ansehen wird und andere Faktoren wie ein übersteigerter Selbstwert mit hineinspielen. Demgegenüber wird man bei einem ungerechtfertigten Status großzügiger, weil er ein Gefühl von Ungerechtigkeit hervorruft verbunden mit dem Bedürfnis, wieder Gerechtigkeit herzustellen.“

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Nicholas A. Hays (Michigan State University) & Steven L. Blader (New York University). (2017). To Give or Not to Give? Interactive Effects of Status and Legitimacy on Generosity [Abstract]. Journal of Personality and Social Psychology, 112 (1), 17-38.

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