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Lernen von Roberta Schriber

Die Neigung, andere zu verachten

2. Februar 2017

Menschen können dazu neigen, andere zu verachten. Dieses Persönlichkeitsmerkmal haben jetzt US-amerikanische Psychologen untersucht. Es geht damit einher, dass man sich häufig ärgert, neidisch, manipulativ oder sogar sadistisch ist. Gleichzeitig fühlt man sich selbst wertlos und bindungsunsicher. Schließlich belastet Verachtung die Partnerschaft.

Auf andere herabblicken

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Was ist Verachtung und wie wirkt sie sich aus? Zu dieser Frage haben Roberta Schriber und ihre Forscherkollegen mehrere Studien durchgeführt und in der Onlineausgabe des Journal of Personality and Social Psychology veröffentlicht. Sie prüften die allgemeine Neigung einer Person, häufig auf andere herabzublicken, sie auszuschließen oder vor anderen herabzusetzen. Dazu erstellten sie zunächst einen entsprechenden Fragebogen. Aussagen daraus, die sich auf die Bewertung anderer, die eigenen Gefühle und Verhaltenstendenzen bezogen:

In vier Studien schauten sie, mit welchen Eigenschaften Verachtung zusammenhing. Durch zwei weitere Studien wurde gemessen, wie sich Geringschätzung darauf auswirkte, Filme zu sehen und in einer Partnerschaft klarzukommen. Insgesamt nahmen 5.827 Personen an den Untersuchungen teil.

Kratzbürstig, psychopathisch

Verachtung ging mit Ärger, Anmaßung und antisozialen Neigungen einher. Wer häufig andere geringschätzte, ärgerte sich regelmäßig („Einige meiner Freunde denken, dass ich ein Hitzkopf bin.“), war anmaßend („Ich bin häufig arrogant.“), neidisch („Jeden Tag bin ich neidisch.“), kratzbürstig (verneinte Aussagen wie: „Ich betrachte mich als jemanden, der hilfsbereit und selbstlos ist.“), manipulativ („Es ist ratsam, Informationen zu sammeln, die man später gegen andere verwenden kann.“), psychopathisch („Es stimmt, dass ich grausam bin.“) und sadistisch („Ich mag es, andere leiden zu sehen.“). Alle diese Zusammenhänge fielen überaus deutlich aus.

Mangelnde Liebe

Verachtende fühlen sich wertlos, einsam und bindungsunsicher. Obwohl sie auf andere herabblickten, fühlten sich Verachtende selbst häufig wertlos, einsam („Ich denke häufig, dass mich keiner wirklich kennt.“) und bindungsunsicher („Ich mache mir oft Sorgen, dass mich mein Partner nicht wirklich liebt.“). Wer auf seinen Lebenspartner herabsah, fühlte gleichzeitig eine starke Angst, dass dieser ihn verlassen könnte.

Schwache wurden kritisiert

Verachtung wurde bei Filmszenen und in der Partnerschaft deutlich. Einige Teilnehmer sahen sich Filmszenen an, in denen die Akteure Schwächen zeigten. So konnte eine Kandidatin bei einem Schönheitswettbewerb eine Frage nicht beantworten. Oder bei einer Interviewten zeigten sich Symptome ihrer Parkinsonerkrankung. Jene mit einer Neigung zur Verachtung kritisierten die Filme dann besonders, vor allem, wenn die Akteure unbeholfen wirkten. Schließlich kam heraus, dass Geringschätzung die Partnerschaft beeinträchtigte. Wer sich selbst oder den Partner verachtete, war weniger daran interessiert, die Beziehung fortzuführen und wertete die Verbindung als wenig befriedigend.

Mitgefühl hilft

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Die Forscherinnen haben damit erstmals einen Fragebogen zur Verachtung vorgelegt und gezeigt, dass dieses Gefühl desaströs ist. Es geht damit einher, andere deutlich abzuwerten oder gar zu schädigen. Sie schreiben aber auch, dass es Methoden gibt, um wieder versöhnlicher zu werden, etwa durch Liebende-Güte-Meditation oder ein Mitgefühltraining. Das könnte besonders im Arbeitsalltag eine Rolle spielen, wenn Mitarbeiter durch Kollegen vorgeführt oder gemobbt werden.

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Roberta A. Schriber (University of California, Davis), Joanne M. Chung (Tilburg University), Katherine S. Sorensen & Richard W. Robins (University of California, Davis). (2016). Dispositional Contempt: A First Look at the Contemptuous Person [Abstract]. Journal of Personality and Social Psychology, Online First Publication.

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