Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management
Hier einzelne Ausgaben bestellen.
Wirtschaftspsychologie aktuell – Zeitschrift für Personal und Management Hier einzelne Ausgaben bestellen. Wirtschaftspsychologie aktuell

Strategie

Coaches steuern Selbstwirksamkeit

8. Februar 2017

Was Coaches im Gespräch sagen, bestimmt die Selbstwirksamkeit oder Fähigkeitsüberzeugung ihrer Klienten. Diese sind von ihrem Können überzeugter, wenn der Coach in den ersten Sitzungen Lösungen anbietet und in den letzten offene Fragen stellt sowie lobt und bekräftigt. Das haben Braunschweiger Psychologinnen herausgefunden.

Was sollten Coaches sagen?

Lesen Sie hier zwei Ausgaben.Sina Gessnitzer und ihre Kolleginnen Eva-Maria Schulte und Simone Kauffeld von der Technischen Universität Braunschweig wollten mit einer neuen Studie folgende Frage beantworten: Was müssen Coaches sagen, damit das Coaching erfolgreich wird? Sie nahmen jeweils die erste, mittlere und letzte Sitzung von 31 Coachings auf Video auf und werteten sie aus. Die Coaches waren erfahrene Studenten, die in 190 Stunden ausführlich geschult wurden. Klienten waren Erstsemester, die sich zu ihrer beruflichen Entwicklung coachen ließen.

Vom eigenen Können überzeugt

Ausgezählt wurde, wie oft die Klienten Aussagen zu ihrer Selbstwirksamkeit machten, also dazu, wie überzeugt sie von ihrem eigenen Können waren. Diese Fähigkeitserwartung ist für die Psyche grundlegend und führt dazu, dass Menschen aktiv werden und erfolgreich sind. Selbstwirksamkeitsaussagen wurden zu folgenden fünf Bereichen erfasst:

Fragen und Lösungen

Außerdem wurde abgefragt, ob die Klienten von Sitzung zu Sitzung ihre persönlichen Ziele als erreicht ansahen, z.B. das Vorhaben: „Ich will mich entscheiden, welchen Beruf ich einschlagen werde.“ Aufseiten der Coaches wurde gemessen, wie oft sie im Gespräch Folgendes sagten und ob das mit der Selbstwirksamkeit der Klienten einherging:

Immer zuversichtlicher

Die Hauptergebnisse, die im Consulting Psychology Journal: Practice and Research veröffentlicht wurden:

Selbstwirksamkeit und Zielerreichung nahmen zu. Die Klienten machten mit fortschreitendem Coaching immer mehr Aussagen zur Selbstwirksamkeit. Ebenso nahm die Zielerreichung im Verlauf des Coachings zu. Selbstwirksamkeit und Zielerreichung hingen überdies eng zusammen.

Zuerst Lösungen, dann offene Fragen

Lösungen anbieten war zu Beginn des Coachings gut. In der ersten Sitzung folgten Selbstwirksamkeitsaussagen der Coachees vor allem dann, wenn der Coach konkrete Lösungen anbot. In der mittleren und letzten Sitzung blieben diese Lösungsangebote hingegen wirkungslos.

Geprüfte Fachinfos
in zwei neuen Ausgaben der Zeitschrift lesen –
mit 30% Preisvorteil.
Hier mehr erfahren.

Gegen Ende des Coachings waren offene Fragen und Unterstützung hilfreich. Offene Fragen („Was ist Ihr Plan?“) und Unterstützung („Ja, sehr gut.“) seitens des Coaches waren in der mittleren und letzten Sitzung am besten. Dann zeigten die Klienten mehr Selbstvertrauen („Ich bin hundertprozentig davon überzeugt, dass ich das in dieser Zeit schaffen werde.“). Zu Beginn des Coachings zogen Fragen und Unterstützung hingegen nicht mehr Selbstwirksamkeit nach sich. Schließlich kam heraus, dass positive Unterstützung regelrechte Aufwärtsspiralen auslöste: der Klient wurde dadurch selbstsicher, der Coach lobte ihn dafür, was den Klienten noch selbstbewusster machte.

Coaches müssen an sich arbeiten

Nach Ansicht der Forscherinnen können Coaches aus diesen Ergebnissen lernen:

© Wirtschaftspsychologie aktuell, 2017. Alle Rechte vorbehalten.

Weiterführende Informationen:

Sina Gessnitzer, Eva-Maria Schulte & Simone Kauffeld (Technische Universität Braunschweig). (2016). „I am Going to Succeed“: The Power of Self-Efficient Language in Coaching and how Coaches Can Use it [Abstract]. Consulting Psychology Journal: Practice and Research, 68 (4), 294-312.

Mehr zu Selbstwirksamkeit und Coaching: Hier zwei neue Ausgaben der Wirtschaftspsychologie aktuell bestellen.

Der Themenschwerpunkt „Alles Neuro?“ zu gehirngerechter Arbeit, Risikofreude, Lernstrategien, positivem Denken, Selbstkontrolle, Kaufbereitschaft & Neuro-Marketing.

Die Wirtschaftspsychologie aktuell im Schnupper-Abo testen.

Den monatlichen Newsletter der Zeitschrift bestellen.

Im Archiv ab 2001 blättern.