Studie zeigt: Private Handynutzung im Job senkt Leistung

Eine Frau sitzt am Arbeitstisch und schaut auf ihr Smartphone

Foto: Freepik.com

Ein Blick aufs Handy und schon ist der Fokus dahin. Eine aktuelle Studie zeigt, dass häufige Unterbrechungen die Erledigung von Aufgaben beeinträchtigen, Frustration fördern und das Abschalten nach Feierabend erschweren.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Durch das Smartphone steigt das Risiko für Unterbrechungen bei der Arbeit.

  • Diese Arbeitsunterbrechungen lösen Frustration aus, senken die Produktivität und verschlechtern das Abschalten nach Feierabend.

  • Mit einfachen Strategien lassen sich diese negativen Auswirkungen vermeiden.

Seien es Familienangehörige im Homeoffice oder Kolleg*innen im Büro, die sich mit einer Frage melden – Unterbrechungen bei der Arbeit sind nichts Ungewöhnliches. Doch sie können sich äußerst negativ auswirken, indem sie den Arbeitsfluss stören, den Workload erhöhen und Zeitdruck und Stress steigern (Lie et al., 2013). Häufig werden Arbeitnehmende allerdings nicht von anderen Menschen unterbrochen, sondern von ihrem Smartphone.

Smartphones verwischen die Work-Life-Grenze

Durch das Smartphone nehmen wir einen Teil unseres Privatlebens zur Arbeit mit. Folgende Theorien lassen nachvollziehen, warum dadurch die Work-Life-Grenze verwischt wird und Arbeitsunterbrechungen mit negativen Auswirkungen zunehmen können:

  1. Die Social Role Theory (Biddle, 1986) besagt, dass Individuen verschiedene Rollen (z. B. Mitarbeiter*in, Freund*in, Familienmitglied) mit jeweils eigenen Erwartungen jonglieren. Das Smartphone fungiert als Werkzeug zur Verwaltung dieser Rollen, macht die Grenzen jedoch durchlässiger und führt zu häufigen Rollenwechseln während der Arbeitszeit (Kühner et al., 2023; Ramarajan & Reid, 2013; Reyt & Wiesenfeld, 2015).
  2. Die Action Regulation Theory (Hacker, 2005) betrachtet Unterbrechungen als Stressoren. Sie behindern den Workflow und die Zielerreichung, was zusätzliche Anstrengungen erfordert und die Qualität der Arbeit mindern kann (ebd.; Bailey & Konstan, 2006).
  3. Mithilfe der Affective Events Theory (AET; Weiss & Cropanzano, 1996) lässt sich erklären, wie tägliche Arbeitsereignisse emotionale Reaktionen auslösen. Wenn Unterbrechungen den Fortschritt bei Aufgaben verhindern, werden diese als negative Ereignisse wahrgenommen, durch die Gefühle wie Machtlosigkeit und Frustration entstehen (Baethge & Rigotti, 2013; Konradt et al., 2003; Mark et al., 2008) und das Stresslevel steigt (Sonnentag et al., 2018).
  4. Arbeitsbezogenes Grübeln nach Feierabend kann sich erhöhen, wenn Arbeitsaufgaben, z. B. infolge von Unterbrechungen, unerledigt geblieben sind (Syrek et al., 2017; Weigelt et al., 2019).

Studie: Auswirkungen von Arbeitsunterbrechungen durch private Smartphone-Nutzung

Auf Basis der genannten theoretischen Modelle und Überlegungen haben Daantje Derks und Heleen van Mierlo (Erasmus-Universität Rotterdam) und Clara Kühner (Universität Leipzig) 2025 eine Studie durchgeführt, in der sie die vermuteten Auswirkungen von Arbeitsunterbrechungen durch die private Nutzung des Smartphones auf das Wohlbefinden und die Leistung von Arbeitnehmenden untersucht haben. Dabei interessierten sie insbesondere die affektiven und kognitiven Pfade, deretwegen die tägliche Smartphone-Nutzung das Abschalten nach Feierabend erschwert.

Sie prüften folgende Annahmen:

  1. Tägliche Unterbrechungen durch das Smartphone behindern die Aufgabenerledigung, wodurch Frustration entsteht.
  2. Aufgrund dieser Frustration kommt es durch unerledigte Aufgaben dazu, dass Arbeitnehmende nach Feierabend mehr über die Arbeit und Lösungsmöglichkeiten nachgrübeln und weniger abschalten können.

Aufbau der Studie

An der quantitativen Tagebuchstudie nahmen 86 Personen teil. Sie waren mehrheitlich weiblich (58 %), durchschnittlich 31,6 Jahre alt und kamen aus unterschiedlichen Branchen. Die Teilnehmenden füllten an fünf aufeinanderfolgenden Tagen abends Fragebögen aus zu Arbeitsunterbrechungen durch das Smartphone, zur Aufgabenerledigung, zur Frustration und zum arbeitsbezogenen Nachdenken, das differenziert wurde in affektives Grübeln (negative, repetitive Gedanken), problemorientiertes Nachdenken (konstruktives Nachdenken über Lösungen) und psychologische Distanzierung (mentales Abschalten). Je nachdem, ob Teilnehmende an allen fünf oder weniger Tagen die Fragebögen bearbeiteten, kamen so pro Person 354 bis 399 Beobachtungen zusammen.

Studienergebnisse bestätigen negative Effekte durch Unterbrechung

Die Ergebnisse verdeutlichen die negativen Auswirkungen privater Smartphone-Nutzung auf das Wohlbefinden und die Produktivität. Häufige Unterbrechungen gingen mit einer reduzierten Aufgabenerledigung einher, was wiederum mit signifikant höherer Frustration am Ende des Arbeitstages zusammenhing. Auch die zweite Hypothese wurde angenommen, denn die Frustration am Tagesende erwies sich als zentraler Mechanismus für das abendliche Wohlbefinden: Die Zusammenhänge zwischen geringer Aufgabenerledigung und verstärktem negativen Grübeln am Abend sowie schlechterem Abschalten nach Feierabend ließen sich durch das Frustrationslevel erklären.

Kritische Reflexion

Die Studie verwendet validierte Fragebögen, die Stichprobe beinhaltet Arbeitnehmende unterschiedlicher Tätigkeitsfelder und ist auch hinsichtlich Alter und Geschlecht relativ heterogen. Zudem wurden die Hypothesen nachvollziehbar aus anerkannten theoretischen Konzepten abgeleitet. Andererseits weist die Studie einige Einschränkungen auf: Zum einen könnten die Antworten der Teilnehmenden retrospektiv verzerrt sein, da sie am Ende des Tages ihr Verhalten und Erleben rückblickend beurteilten. Des Weiteren verzichteten die Forscherinnen auf die Erfassung weiterer relevanter Kontrollvariablen (z. B. allgemeine Arbeitsbelastung), um die Fragebögen möglichst kurz zu halten, und untersuchten nicht die Ursachen für die Unterbrechungen (z. B. sozialer Druck, Erreichbarkeit für die Familie). Auch ist zu berücksichtigen, dass die Studie kurz nach den pandemiebedingten Beschränkungen stattfand, was die Generalisierbarkeit einschränken könnte. Generell wäre es sinnvoll gewesen, weitere Frustrationsquellen zu erheben.

Tipps, um sich vor Unterbrechungen durch das Smartphone zu schützen

Die Studie bietet wertvolle Ansätze für einen besseren Umgang mit dem Smartphone im Arbeitskontext:

  • Für Mitarbeitende: Insbesondere an Tagen mit hoher Arbeitslast sollten Arbeitnehmende ihre private Smartphonenutzung bei der Arbeit aktiv begrenzen, indem sie z. B. unterbrechungsfreie Fokuszeiten einplanen. Dadurch werden Aufgaben sicherer erledigt und der abendlichen Frustration wird vorgebeugt. Auch Trainings im Zeitmanagement und eine generelle Selbstreflexion der eigenen Handynutzung können hilfreich sein, um besser mit Ablenkungen umzugehen.
  • Für Unternehmen: Bei der Arbeit sollten klare, aber flexible Richtlinien für die private Smartphone-Nutzung gelten. Handyfreie Zonen für konzentriertes Arbeiten oder geplante Pausenzeiten für die private Smartphonenutzung können die Produktivität und das Wohlbefinden steigern. Auch sollten Führungskräfte ihrer Vorbildrolle bei der Einhaltung solcher Fokuszeiten nachkommen.
  • Technologische Unterstützung: Die Nutzung von Fokus-Modi auf Smartphones kann helfen, die Anzahl der Benachrichtigungen während der Arbeit zu reduzieren, sodass Beschäftigte im Workflow weniger unterbrochen werden.

Fazit

Unterbrechungen durch private Smartphonenutzung sind kein triviales Phänomen, denn sie beeinträchtigen indirekt das Wohlbefinden nach Feierabend, indem sie das Gefühl hinterlassen, die täglichen Aufgaben nicht bewältigt zu haben, und dadurch Frustration und geistige Unruhe am Abend hervorrufen können.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Isabelle Bock.

Vorgestellte Studie

Derks, D., van Mierlo, H., & Kühner, C. (2025). Unfinished Tasks and Unsettled Minds: A Diary Study on Personal Smartphone Interruptions, Frustration, and Rumination. Behavioral Sciences15(7), 871.

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