Der Zustand unseres Planeten macht Umweltschutz für Unternehmen längst zu mehr als einer Imagefrage – er ist zu einem ethischen und strategischen Muss geworden. Doch welche Rolle spielt umweltfreundliches Verhalten von Mitarbeitenden dabei? Und wie lässt es sich gezielt fördern?
Das Ökosystem der Erde ist in einem schlechten Zustand. Durch den menschengemachten Klimawandel verursachte Extremwetterereignisse, Engpässe in der Verfügbarkeit natürlicher Ressourcen und der zunehmende Verlust der Biodiversität stellen bereits heute eine erhebliche Bedrohung für das Wohlbefinden und Überleben der Menschheit dar. Diese Krisen werden in ihrer Intensität und Bedrohlichkeit im Laufe der kommenden Jahre weiter zunehmen (Planetary Boundaries Science, 2025).
Um diesen Entwicklungen entgegenzuwirken, ist eine rasche Steigerung der ökologischen Nachhaltigkeit, also der Interaktion mit der natürlichen Umwelt innerhalb regenerativer Grenzen, in allen Lebensbereichen notwendig. Unternehmen kommt dabei eine entscheidende Rolle zu. Einerseits verursachen wirtschaftliche Aktivitäten Treibhausgasemissionen, Luft- und Wasserverschmutzung und tragen zum Verbrauch natürlicher Ressourcen bei. Andererseits können Unternehmen ein wichtiger Teil der Lösung sein, indem sie nachhaltige Prozesse und Produkte entwickeln. Dabei ist Umweltschutz nicht nur ein ethisch relevantes Thema für Unternehmen, sondern auch strategisch wichtig, um langfristig erfolgreich zu sein. Beispielsweise erwarten Kund*innen, Investor*innen und Arbeitnehmende immer mehr, dass Unternehmen ihrer Verantwortung, die Umwelt zu schützen, gerecht werden (Kühner & Amel, 2025).
Es stellt sich also die Frage, wie die sogenannte Umweltleistung von Unternehmen erhöht werden kann. Neben politischen, wirtschaftlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen kommt hierbei den Mitarbeitenden eine entscheidende Rolle zu – schlussendlich ergibt sich die Umweltleistung eines Unternehmens aus der Summe der umweltfreundlichen Entscheidungen und Verhaltensweisen aller Mitarbeitenden über verschiedene Hierarchieebenen hinweg.
Unter umweltfreundlichem Verhalten am Arbeitsplatz versteht man jegliche Verhaltensweisen von Mitarbeitenden, die das Erreichen der ökologischen Nachhaltigkeitsziele der Organisation unterstützen (Ones & Dilchert, 2012). Dies beinhaltet sowohl die Erledigung von Arbeitsaufgaben auf umweltfreundliche Weise als auch umweltbezogenes Engagement über die formalen Anforderungen der eigenen Rolle hinaus. Umweltfreundliches Verhalten kann außerdem einen direkten Einfluss auf die Umwelt haben (z. B. Emissionen reduzieren durch die Nutzung des Fahrrads für den Arbeitsweg) oder indirekt wirken (z. B. Kolleg*innen motivieren, sich für den Umweltschutz einzusetzen). Umweltfreundliches Verhalten reicht von „einfacheren“ Alltagsmaßnahmen wie Mülltrennung bis hin zu aufwendigeren Verhaltensweisen wie der Etablierung ökologisch nachhaltiger Arbeitsprozesse (Francoeur et al., 2021).
Das bedeutet allerdings nicht, dass die Verantwortung allein bei den Mitarbeitenden liegt. Umweltfreundliches Verhalten am Arbeitsplatz wird maßgeblich durch die Gestaltung von Arbeitsaufgaben, -prozessen und -umgebung sowie durch soziale Prozesse in Teams und das Verhalten von Führungskräften beeinflusst.

Arbeitsgestaltung und -umgebung
Arbeitsaufgaben und -prozesse können gezielt so gestaltet werden, dass Möglichkeiten für Umweltengagement geschaffen werden und umweltfreundliches Verhalten möglichst leicht umzusetzen ist. So sollte Mitarbeitenden Entscheidungsspielraum gewährt werden, der es ihnen erlaubt, ihre Arbeit unter Berücksichtigung von Umwelt- und Nachhaltigkeitsaspekten zu gestalten (Stein et al., 2025).
Ein weiterer wichtiger Faktor ist die Verfügbarkeit von zeitlichen und finanziellen Ressourcen. Wenn Mitarbeitende einen Teil ihrer Arbeitszeit für Umweltprojekte nutzen dürfen und ihnen ein Budget zur Umsetzung dieser Projekte zu Verfügung gestellt wird, steigert das die Wahrscheinlichkeit für Umweltengagement (Yuriev et al., 2018).
Auch Merkmale der Arbeitsumgebung können wichtig sein, indem sie umweltfreundliches Verhalten einfacher und bequemer machen oder schlicht daran erinnern (Gemmecke et al., 2025; Norton et al., 2018). Beispielsweise können Unternehmen Mitarbeitende dabei unterstützen, mit dem Fahrrad zur Arbeit zu kommen, indem sie Umkleidemöglichkeiten bereitstellen und das kostenlose Laden von E-Bikes anbieten. Auch die technische Arbeitsumgebung kann wichtig sein. Wenn Mitarbeitende von verschiedenen Standorten und Unternehmen für Besprechungen und Konferenzen auf eine professionelle virtuelle Infrastruktur zurückgreifen können, sind weniger emissionsintensive Pendelwege notwendig. Kleine Erinnerungen in der Umgebung wie Hinweise an der Tür, das Licht auszuschalten, sogenannte „Prompts“, sind insbesondere wirksam, um leicht umzusetzendes, ressourcenschonendes Verhalten zu fördern.
Die Rolle von Arbeitsteams
Als soziale Wesen richten Menschen ihr Verhalten unter anderem danach aus, was andere Personen in ihrer Umgebung tun und denken. Deshalb kommt Teams eine große Rolle bei der Förderung umweltfreundlichen Verhaltens am Arbeitsplatz zu. Ein wichtiger Faktor dabei sind umweltfreundliche soziale Normen im Team (Fritsche et al., 2018). Darunter versteht man individuelle Eindrücke darüber, wie sich die meisten Menschen einer sozialen Gruppe zu einem bestimmten Thema verhalten oder welches Verhalten sie von anderen erwarten. Wenn Mitarbeitende wahrnehmen, dass die umweltbezogenen Normen in ihrem Team stark ausgeprägt sind, sich also viele Teammitglieder umweltfreundlich verhalten oder ein solches Verhalten zumindest befürworten, kann das ein wichtiger Anreiz sein, sich für den Umweltschutz einzusetzen. Umweltfreundliche Teamnormen können gestärkt werden, indem sich Vorbilder wie Führungskräfte oder erfahrene Kolleg*innen für den Umweltschutz einsetzen, im Team ein offener Austausch zu Umweltthemen stattfindet und Teamaktivitäten mit Umweltbezug durchgeführt werden. Dies könnte zum Beispiel ein Teamevent mit Baumpflanz- oder Müllsammelaktion sein.
Ebenfalls wichtig sind umweltbezogene Wirksamkeitserwartungen im Team, also das Ausmaß, in dem Mitarbeitende davon überzeugt sind, dass ihr Team in der Lage ist, effektiv zum Umweltschutz beitragen zu können (Guenthner et al., 2025). Je stärker diese Überzeugung ist, desto eher sind Mitarbeitende motiviert, sich für den Umweltschutz zu engagieren. Um dieses Wirksamkeitsgefühl zu stärken, ist es wichtig, erreichbare Umweltziele im Team zu setzen (z. B. „Im nächsten Monat wollen wir den Materialverbrauch um 10 % reduzieren“) und das Erreichen der Ziele sichtbar zu machen und zu feiern.
Zuletzt spielt auch Unterstützung im Team eine wichtige Rolle für umweltfreundliches Verhalten. Allgemeine (nicht umweltbezogene) Unterstützung im Kollegenkreis führt dazu, dass Mitarbeitende mehr zeitliche und energetische Ressourcen zur Verfügung haben, die sie in umweltfreundliches Verhalten investieren können (Katz et al., 2023). Aber auch umweltspezifische Unterstützung, beispielsweise in Form von Wissensaustausch zu umweltbezogenen Themen, kann umweltfreundliches Verhalten begünstigen.
Die Rolle von Führungskräften
Führungskräfte spielen eine wichtige Rolle dabei, umweltfreundliches Verhalten in der Mitarbeiterschaft zu fördern und ökologisch Nachhaltigkeit auf organisationaler Ebene strategisch zu platzieren (Zacher et al., 2024). Im direkten Kontakt mit Mitarbeitenden kommt umweltspezifischer transformationaler Führung eine wichtige Rolle zu (Robertson & Barling, 2017). Dazu gehört, als Führungskraft selbst umweltfreundliches Verhalten vorzuleben, Umweltziele im Team zu etablieren, Mitarbeitende zu motivieren, innovative und kreative Lösungen für Umweltprobleme zu entwickeln und sie dabei zu unterstützen, umweltbezogene Fertigkeiten, Wissen und Kenntnisse aufzubauen.
Auf organisationaler Ebene können Führungskräfte das Thema ökologische Nachhaltigkeit strategisch vorantreiben und verankern, indem sie sich beispielsweise für die Einführung eines umweltbezogenen Leistungsmanagements, die Entwicklung ökologisch nachhaltiger Produkte oder die Umstellung von Organisationsprozessen hin zu mehr Umweltschutz einsetzen.
Ökologische Nachhaltigkeit wird zunehmend zu einem strategischen Erfolgsfaktor für Unternehmen. Entscheidend dafür ist umweltfreundliches Verhalten auf allen Ebenen der Organisation – von einzelnen Mitarbeitenden über Teams bis hin zur Führungsebene.







