Leisten Workaholics mehr oder weniger? Eine neue Studie gibt Antwort

Ein Mann sitzt neben einem Stapel Aktenordner am Bürotisch

Foto: Andrey Popov - Adobe Stock

Ständige Erreichbarkeit und hohe Leistungsanforderungen begünstigen Workaholismus. Doch wirkt sich dieser tatsächlich leistungssteigernd aus oder schadet er vielmehr der Arbeitsleistung? Eine neue Studie zeigt, dass diese Frage komplexer ist, als sie auf den ersten Blick scheint.

Dank digitaler Technologien ist es leichter geworden, jederzeit und von überall für den Job verfügbar zu sein. Diese ständige Erreichbarkeit hat in der Forschung seit mehreren Jahren das Interesse an Workaholismus (Arbeitssucht) befeuert. Workaholismus beschreibt die Tendenz, zwanghaft und übermäßig viel zu arbeiten (Schaufeli et al., 2008). Workaholics werden von ihrer Arbeit eingenommen, strengen sich über die Maße an und riskieren schädliche Auswirkungen auf ihre Gesundheit, Zufriedenheit und sozialen Beziehungen (Oates, 1971).

Doch schadet Workaholismus auch der Leistung? Tatsächlich kommen empirische Untersuchungen zu keinem einheitlichen Bild. Während manche Studien negative Zusammenhänge von Workaholismus und Arbeitsleistung finden (z. B. Alessandri et al., 2020; Falco et al., 2013; Huyghebaert Zouaghi et al., 2021; Shimazu & Schaufeli, 2009), beobachten andere Studien positive Zusammenhänge (z. B. Schaufeli et al., 2006; Xu et al., 2021). Woran liegt das?

Neue Studie will widersprüchliche Befunde erklären

Danila Molinaro und Paola Spagnoli (Università degli Studi della Campania Luigi Vanvitelli) sowie Vicente González-Romá (Universitat de València) hatten eine Vermutung: Was, wenn es keinen direkten, sondern nur einen indirekten Zusammenhang zwischen Workaholismus und Arbeitsleistung gibt, der durch sogenannte Mediatorvariablen mal positiv und mal negativ ausfällt? Konkret nehmen die Forscher*innen in ihrer neuen Studie an, dass zwei Variablen bestimmen, ob die Arbeitsleistung durch Workaholismus leidet oder profitiert:

  1. Arbeitsengagement: Auf Basis der Achievement Motivation Theory (McClelland, 1958, 1961) wird angenommen, dass Workaholics ein hohes Bedürfnis nach Erfolg haben. Sie setzen sich ehrgeizige Ziele und investieren viel Zeit und Mühe, um die empfundene Lücke zwischen aktueller und erwarteter Leistung zu schließen (Clark et al., 2016; Ng et al., 2007). Somit kann Workaholismus zu höherem Arbeitsengagement führen und dadurch die Leistung steigern (z. B. Bakker et al., 2009; Bakker et al., 2014; Clark et al., 2014; Di Stefano & Gaudiino, 2019; Tóth-Király et al., 2021).
  2. Schlafqualität: Nach dem Effort-Recovery Model (Maijman & Mulders, 1998) und dem „Work, Non-work, and Sleep Model“ (WNS-Modell; Crain et al., 2008) untergräbt das übermäßige Engagement von Workaholics deren Erholung. Dadurch sinkt die Schlafqualität, der Schlafmangel beeinträchtigt kognitive Funktionen wie Konzentration und Aufmerksamkeit und in der Folge nimmt die tägliche Arbeitsleistung ab (vgl. Dean et al., 2010; Kubota et al., 2014; Mullins et al., 2014; Salanova et al., 2016; Spagnoli et al., 2019).

Wie war die Studie aufgebaut?

An der Studie von Molinaro et al. (2025) nahmen 389 italienische Arbeitnehmer*innen teil (61% weiblich, Durchschnittsalter 38,4 Jahre), von denen etwas mehr als die Hälfte für private Unternehmen arbeitete, die übrigen im öffentlichen Sektor. Die Teilnehmenden füllten Online-Fragebögen aus: Sechs Fragen zu Workaholismus, drei Fragen zum Arbeitsengagement, zehn Fragen zur Schlafqualität und drei Fragen zur Arbeitsleistung.

Die Ergebnisse

Wie angenommen hing Workaholismus positiv mit Arbeitsengagement und mit einer geringen Schlafqualität zusammen. Der Zusammenhang zwischen Arbeitsengagement und Arbeitsleistung fiel wie erwartet positiv aus und der Zusammenhang zwischen schlechter Schlafqualität und Arbeitsleistung negativ. Ein direkter Effekt von Workaholismus auf die Leistung zeigte sich nicht und die Korrelation war mit 0.13 gering, was darauf hindeutet, dass sich der positive motivationale Effekt über das Arbeitsengagement und der negative Erholungseffekt über die geringe Schlafqualität gegenseitig zumindest teilweise aufheben. In der Forschung spricht man von einer „kompetitiven Mediation“.

Was sagen uns die Ergebnisse?

Die Studie leistet einen wichtigen theoretischen Beitrag, indem sie zeigt, dass die uneindeutige Studienlage zu Auswirkungen von Workaholismus auf die Leistung womöglich durch zwei gegensätzliche, aber parallel wirkende Mechanismen erklärt werden kann. Es ist anzunehmen, dass der leistungsförderliche Effekt kurzfristig stärker ist, sich langfristig jedoch die fehlende Erholung negativ auf die Leistung auswirkt. Das bedeutet, dass Mitarbeitende und Unternehmen Wege finden sollten, engagiert zu arbeiten, ohne dass die Erholung darunter leidet.

Folgende Maßnahmen leiten sich aus der Studie ab:

  1. Prävention: Unternehmen sollten frühzeitig erkennen, wenn bei Mitarbeitenden ein Risiko für Workaholismus besteht, und Strategien entwickeln, um negative Folgen abzumildern.
  2. Psychologische Distanzierung: Vorgesetzte sollten eine Kultur fördern, in der das Abschalten von der Arbeit nach Feierabend explizit erwünscht ist (Sonnentag, 2012).
  3. „Smart Work“ statt „Hard Work“: Führungskräfte sollten Mitarbeitende unterstützen, effizienter zu arbeiten, anstatt lediglich die investierte Zeit zu belohnen (Schaufeli et al., 2006b; van Wijhe et al., 2010).
  4. Erholungsprogramme: Unternehmen sollten aktiv in die Erholung der Beschäftigten investieren, um negativen Effekten eines hohen Arbeitspensums vorzubeugen. Beispielsweise sind Entspannungsverfahren wie progressive Muskelrelaxation oder Achtsamkeitsmeditation wirkungsvoll, um die Schlafqualität zu verbessern (Grossman et al., 2004; McCallie et al., 2006).
  5. Schlafhygiene: Betriebliche Gesundheitsprogramme sollten über adäquate Schlafgewohnheiten (z. B. regelmäßige Schlafenszeiten, Verzicht auf Koffein vor dem Schlafen) informieren (Mastin et al., 2006; Sonnentag et al., 2008).

Limitationen der Studie

Trotz der wertvollen Erkenntnisse sind einige Limitationen der Studie bei der Interpretation der Ergebnisse zu beachten:

Zunächst ist die Generalisierbarkeit eingeschränkt, weil die Stichprobe nicht repräsentativ ausgewählt wurde und zudem nur aus Arbeitnehmenden in Italien bestand. Auch basieren die Ergebnisse auf einer Online-Studie und der Selbsteinschätzung der Befragten, was zum Beispiel bei der Beurteilung von Leistung zu subjektiven Verzerrungen geführt haben könnte. Des Weiteren lässt die Studie wegen ihres Querschnittsdesigns keine kausalen Aussagen zu, sondern beschreibt lediglich Zusammenhänge. Abschließend weisen die Forscher*innen darauf hin, dass durchaus auch andere Mechanismen das Zusammenspiel von Workaholismus und Leistung prägen können, zum Beispiel Work-Family-Konflikte (Brady et al., 2008).

Ebenfalls sinnvoll könnte sein, sich z. B. Persönlichkeitsmerkmale, Lebensumstände und individuelle Ziele von Workaholics anzuschauen, um deren Motive besser zu verstehen und jeweils unterschiedliche Auswirkungen entsprechend differenzierter einordnen zu können.

Fazit

Die Studie zeigt eindrucksvoll, dass Workaholismus im Hinblick auf die Arbeitsleistung ein zweischneidiges Schwert ist. Während der innere Drang zur Arbeit mit hoher Einsatzbereitschaft und großem Engagement einhergehen kann, wird dieser potenzielle Leistungsvorteil durch die Verschlechterung der Schlafqualität und der damit einhergehenden kognitiven Erschöpfung untergraben. Ein nachhaltiges Personalmanagement sollte Mitarbeitende daher aktiv in ihrer Erholung und Selbstfürsorge unterstützen.

Der Beitrag wurde verfasst von Isabelle Bock.

Vorgestellte Studie:

Molinaro, D., González-Romá, V., & Spagnoli, P. (2025). Workaholism and job performance: testing indirect relationships via work engagement and poor sleep quality. Current Psychology44(5), 3760-3772.

Literaturliste zum Download

Weitere Artikel zum Thema