Studie zeigt: Sexistischer Humor verschlechtert Zusammenarbeit

4 Männer sitzen witzelnd nebeneinander, eine Frau sitzt am Rand und schaut genervt zur Seite.

Foto: Lumos sp - Adobe Stock

Humor kann Teams verbinden, doch wenn Witze auf Kosten anderer gehen, kann die Stimmung kippen. Laut einer neuen Studie ist sexistischer Humor am Arbeitsplatz alles andere als harmloser Spaß, denn er löst oft negative Gefühle aus und senkt die Bereitschaft zur Zusammenarbeit. Unternehmen sollten solche „Scherze“ daher klar adressieren und einen Humor fördern, der niemanden abwertet.

Das Wichtigste auf einen Blick:

  • Sexistischer Humor richtet sich meist gegen Frauen und kann im Umfeld negative Gefühle auslösen.
  • Menschen wollen mit Personen, die sexistische Witze machen, weniger gern zusammenarbeiten.
  • Personen mit sexistischem Humor werden als weniger kompetent wahrgenommen.

Eigentlich ist Humor eine feine Sache, denn er zielt darauf ab, zu amüsieren (Romero & Cruthirds, 2006), und kann im Arbeitskontext Verbindung schaffen und das Wohlbefinden steigern (Lehmann-Willenbrock & Allen, 2014; Mao et al., 2017; Mesmer‐Magnus et al., 2012; Pundt & Venz, 2017). Jedoch wurde nur in wenigen Studien berücksichtigt, dass nicht alle denselben Humor teilen.

Forschungslücke: Sexistischer Humor am Arbeitsplatz

Insbesondere zu sexistischem Humor im Arbeitskontext gibt es kaum Forschungserkenntnisse, weshalb eine Studie von Yara Bouckaert und Kolleg*innen (2025) diesen in den Fokus genommen hat.

Sexistischer Humor ist eine Form von aggressivem bzw. degradierendem Humor, häufig gegenüber Frauen (Cooper, 2005; Martin et al., 2003; Romero & Cruthirds, 2006). Da auf aggressiven Humor oft mit negativen Gefühlen reagiert wird (Romero & Cruthirds, 2006), wurde dies in der hier vorgestellten Studie auch für sexistischen Humor vermutet. Zudem erwartete Bouckaerts Team, dass sexistischer Humor die Qualität der Zusammenarbeit belastet, weil aggressiver Humor mit geringerer Kooperationsbereitschaft einhergeht (Romero & Arendt, 2011) und Männer mit sexistischem Humor weniger kompetent wirken (Bitterly et al., 2017).

Der Einfluss des Geschlechts

Wie sexistischer Humor aufgefasst wird, ist u. a. abhängig vom Geschlecht der Personen, die einen sexistischen Witz äußern bzw. hören (Woodzicka et al., 2020). Nach der Sozialen Identitätstheorie (Tajfel & Turner, 1986) ordnen sich Menschen sozialen Gruppen zu und streben danach, dass ihre Gruppenidentitäten positiv besetzt sind. Erzählt ein Mann einen sexistischen Witz auf Kosten von Frauen, könnten Frauen zum Schutz ihrer sozialen Identität mit negativen Einstellungen gegenüber männlichen Kollegen reagieren (Branscombe et al., 1999).

In der Tat gibt es Belege dafür, dass Männer und Frauen sexistischen Humor unterschiedlich wahrnehmen: Frauen empfinden sexistischen Humor häufiger als Männer als sexistisch, unlustig und angreifend (Lawless et al., 2020; Smeltzer & Leap, 1988). Männer wie Frauen finden Witze über das jeweils andere Geschlecht lustiger als über das eigene (Abrams & Bippus, 2014; Abrams et al., 2015). Zudem nimmt die wahrgenommene Kompetenz von Männern, die sexistische Witze kundtun, nur ab, wenn sich ihr Humor gegen Frauen richtet (Betz & DiDonato, 2024).

Die hier vorgestellte Studie von Bouckaert et al. (2025) überprüfte basierend auf den dargestellten Überlegungen folgende Hypothesen:

  1. Menschen wollen mit Kolleg*innen, die sexistischen Humor äußern, weniger zusammenarbeiten und nehmen diese als weniger kompetent wahr
  2. Das Geschlecht der Personen, die sexistischen Humor äußern oder empfangen, beeinflusst, inwieweit sexistischer Humor negative Gefühle auslöst.
  3. Das Geschlecht der Personen, die sexistischen Humor äußern oder empfangen, beeinflusst aufgrund des Ausmaßes an negativen Gefühlen, inwieweit durch sexistischen Humor a) die Willigkeit zur Zusammenarbeit und b) die wahrgenommene Kompetenz abnehmen.

Studie 1: Erforschung von Sexismus im Labor

Im Vorfeld zum ersten Teil der Studie – einem Laborexperiment – wurden in einer Pilotstudie die Lustigkeit und Adäquatheit vier sexistischer und vier nicht sexistischer Witze sowie die Attraktivität und Sympathie von acht Schauspieler*innen bewertet. Es wurden zwei Paare von gleich lustigen, aber unterschiedlich adäquat erscheinenden Witzen ausgewählt. Auch wurden ein männlicher und eine weibliche Schauspieler*in (gleich attraktiv und sympathisch) ausgewählt, die die Witze sowie neutrale Aussagen für das eigentliche Experiment in Videoclips vortrugen.

Das Experiment beinhaltete demnach sechs Bedingungen:

Männlicher Schauspieler Weibliche Schauspielerin
Sexistischer Witz
Nicht-sexistischer Witz
Neutrale Aussage

Die 255 Teilnehmenden gaben zu Beginn an, wie sie sich fühlten. Dann sahen sie ein Video mit dem bzw. der Schauspieler*in und sollten sich diese*n als Kolleg*in vorstellen. Anschließend bewerteten die Teilnehmenden erneut ihre Stimmung sowie ihre Kooperationsbereitschaft mit der Person im Video und deren wahrgenommene Kompetenz.

Die Ergebnisse:

  • Die Teilnehmenden empfanden nach sexistischen Witzen mehr negative Gefühle als vorher und waren infolgedessen weniger bereit, mit der Person im Video zusammenzuarbeiten.
  • Erzählte die Person im Video einen sexistischen Witz, wurde sie als weniger kompetent wahrgenommen. Dies war allerdings nicht auf den Anstieg negativer Gefühle zurückzuführen.
  • Diese Ergebnisse sprechen für den ersten Teil der Hypothese 1 und gegen die übrigen Hypothesen.

Studie 2: Sexismus im realen Setting

Zur Erhöhung der Realitätsnähe führten die Forschenden zusätzlich eine Feldstudie durch. In dieser sollten 170 Versuchspersonen schriftlich eine Arbeitssituation mit einem/einer Mitarbeiter*in schildern, in der diese*r entweder eine lustig gemeinte sexistische oder eine andere lustige Bemerkung gemacht oder sich neutral verhalten hatte. Danach bewerteten sie, wie negativ sie bezüglich der Situation empfunden hatten, sowie ihre Bereitwilligkeit zur Zusammenarbeit und die wahrgenommene Kompetenz der Person.

Die Ergebnisse:

  • 25% der Teilnehmenden erlebten mindestens einmal pro Monat einen humorvoll gemeinten sexistischen Kommentar.
  • Sexistische Witze richteten sich mehrheitlich gegen Frauen.
  • Sexistische Witze führten zu negativen Gefühlen und dadurch stieg der Unwille zur Zusammenarbeit. Das Geschlecht der witzelnden Person und der Studienteilnehmenden hatte für diese Effekte keine statistische Relevanz. Die Ergebnisse stützen Hypothese 1, nicht aber Hypothese 2 und 3.
  • Zusätzlich zeigte die Analyse, dass die durch Sexismus ausgelösten negativen Gefühle auch die wahrgenommene Kompetenz der witzelnden Person minderten. Für diesen Effekt waren die Geschlechter der beteiligten Personen bedeutsam, denn er fiel am größten aus, wenn ein Mann sexistischen Humor gegenüber einer Frau äußerte. Das Ergebnis spricht für Hypothese 4.

Die Studie führt vor Augen, dass Sexismus, v. a. von Männern gegen Frauen, immer noch verbreitet ist und das Wohlbefinden, die Zusammenarbeit im Team und die Wertekultur des Unternehmens bedeutsam beeinträchtigen kann.

Empfehlungen für die Praxis

Um Sexismus und dessen negativen Auswirkungen vorzubeugen, können Unternehmen folgende Strategien befolgen:

  • Unternehmen sollten Problembewusstsein zeigen, Antidiskriminierung in ihren Werten verankern und klare Richtlinien gegen Sexismus etablieren.
  • Überzeugungen von Führungskräften prägen auch das Verhalten und die Werte des Personals (Jung et al., 2008). Ein höherer Frauenanteil in Führungspositionen kann verhindern, dass sich sexistische Haltungen im Unternehmen ausbreiten, zumal die Geschlechterdiskriminierung in frauengeführten Unternehmen geringer (Ostroff et al., 2012).
  • Interventionen zur Verankerung von positiven Einstellungen zu Diversität, z. B. ein kurzes Video oder ein Poster, können inklusives Verhalten steigern (Murrar et al., 2020).
  • Um wirksam gegen Sexismus vorzugehen, sollten Betroffene sexistische Vorfälle ohne Angst vor sozialer Ächtung melden können, und HR-Beauftragte sollten entschieden auf Sexismus reagieren.

Kritik und Ausblick

Zwar wurde durch die Kombination einer Feldstudie mit einem Laborexperiment eine gewisse Übertragbarkeit der Ergebnisse auf die Realität erreicht. Trotzdem liegen bedeutsame Einschränkungen vor: Zunächst wurden die Witze und Situation im Experiment stark vereinfacht präsentiert, was komplexen Alltagsinteraktionen nicht gleichkommt. Auch beruhten die Daten auf Selbstberichten, weshalb Verzerrungen durch Erinnerung, soziale Erwünschtheit oder individuelle Interpretation möglich sind. Außerdem lag der Fokus auf unmittelbaren Reaktionen nach der Konfrontation mit sexistischem Humor und längerfristige Folgen für Beziehungen, Karriereverläufe oder Teamklima wurden nicht untersucht.​ Gleichermaßen wurden andere Diversitätsdimensionen abseits vom binär konzipierten Geschlecht und der Einfluss des Status der beteiligten Personen nicht beleuchtet.

Fazit

Trotz der genannten Limitationen wird durch die Studie klar, dass Sexismus insbesondere für Frauen negative Folgen hat, aber auch die gesamte Teamdynamik durch verringerten Willen zur Zusammenarbeit torpedieren kann. Nicht nur aus ethischer Sicht, sondern auch im wirtschaftlichen Interesse sollten Unternehmen daher sexistischem Humor entgegenwirken. Und Mitarbeitende, bevor sie einen Witz machen, überlegen, ob sie jemanden damit unnötig angreifen.

Der Beitrag wurde verfasst von Isabelle Bock.

Vorgestellte Studie

Bouckaert, Y., Vofrei, L., Jonczyk, N., Mertens, A., Soliman, M., Venz, L., & Loschelder, D. D. (2025). Is the joke on you? The impact of sexist humour and gender dynamics on interpersonal work outcomes. European Journal of Work and Organizational Psychology34(1), 144-159.

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