Personal

Jetzt zugreifen oder lieber warten?

Ob Flugtickets, Gebrauchtwagen oder Wohnungssuche – überall stellt sich die Frage: Soll ich jetzt schon zuschlagen oder lieber warten, ob noch ein besseres Angebot kommt? Entscheidungen zu treffen, wenn die Optionen nicht gleichzeitig, sondern nacheinander präsentiert werden, fällt Menschen oft schwer – besonders wenn die Zeit knapp ist und ein einmal abgelehntes Angebot später vielleicht nicht zur Verfügung steht. „Solche Situationen begegnen uns im Alltag unzählige Male, etwa bei der Parkplatzsuche, beim Hauskauf oder bei der Partnerwahl“, sagt Christiane Baumann vom Psychologischen Institut der Universität Zürich. „Trotzdem ist bisher nicht näher untersucht worden, wie wir uns dabei verhalten.“ Unter der Leitung von Kognitionspsychologin Bettina von Helversen (vormals UZH, jetzt Universität Bremen) und in Zusammenarbeit mit Sam Gershman (Harvard University) hat die Doktorandin verschiedene Experimente zu dieser Frage durchgeführt. Anhand der Resultate konnte sie ein Modell zur Strategie entwickeln, die Menschen bei der Entscheidungsfindung anwenden.

Schulungen mit Bindungseffekt

Diese Befürchtung dürfte unbegründet sein, wie Professor Thomas Zwick von der Julius-Maximilians-Universität (JMU) Würzburg und Dr. Daniel Dietz herausgefunden haben. „Weiterbildung erhöht im Durchschnitt die Mitarbeiterbindung an das weiterbildende Unternehmen signifikant um mehr als zehn Prozentpunkte“, sagt Zwick, der an der JMU den Lehrstuhl für BWL, Personal und Organisation leitet. In einer Publikation im International Journal of Human Resource Management zeigen die Wirtschaftswissenschaftler: Weiterbildung erhöht nicht nur die Produktivität der Beschäftigten, sie verringert auch deren Neigung, den Betrieb zu verlassen. „Interessanterweise tritt der Bindungseffekt auch bei Weiterbildungsinhalten auf, die einen lohnerhöhenden Karriereschritt außerhalb des Unternehmens ermöglichen würden“, so der JMU-Professor. Selbst wenn die Teilnehmenden von einem externen Weiterbildungsanbieter ein zertifiziertes Zeugnis erhalten und ihre neu erworbenen Fähigkeiten gut belegen können, bleibe die Bindungswirkung positiv.

Wenn sich Ältere bei der Arbeit ausgeschlossen fühlen

Arbeitnehmende ab 50 können sich aus verschiedenen Gründen am Arbeitsplatz ausgegrenzt und demotiviert fühlen. Sie fühlen sich dann besonders ausgeschlossen, wenn sie selbst glauben, aufgrund ihres Alters kognitiv abzubauen, wie Psychologen der Universität Basel im Fachblatt „Work, Aging, and Retirement“ berichten.

Jede dritte Führungskraft in Deutschland steckt in einer Identitätskrise

Führungskräfte tragen wesentlich zu der erfolgreichen Performance von Teams, Abteilungen oder ganzen Betrieben bei. Sie selbst fühlen sich häufig jedoch nicht ausreichend unterstützt. Dies äußert sich auch teilweise in der Ambivalenz ihrer eigenen Rolle und den Selbstzweifeln in Bezug auf ihre Ziele. Dies ist das Ergebnis des neuen „Führungskräfte-Radars 2019“ der Bertelsmann Stiftung in Zusammenarbeit mit dem Reinhard-Mohn-Institut für Unternehmensführung (RMI) an der Universität Witten/Herdecke.  

Feedback-Kultur: Wenn aus Kooperation Konkurrenz wird

Feedback gilt als wichtiger Bestandteil einer erfolgreichen Unternehmenskultur. Richtig eingesetzt, kann es die Arbeitsleistung und die Zusammenarbeit im Team stärken. Doch wie beeinflusst unterschiedliches Feedback das Verhalten der Mitarbeitenden untereinander? In einer aktuellen Studie haben Forschende des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und der IESE Business School in Barcelona untersucht, welche Art von Feedback eher zu kooperierendem und welche zu konkurrierendem Verhalten führt. Dafür luden sie 112 studentische Teilnehmende verschiedener Fachrichtungen und 28 Führungskräfte, von denen alle mindestens sieben Jahre Berufserfahrung hatten, zu einem Laborexperiment ein.

Corona-Virus: Die Mehrheit wünscht sich Home-Office

Zwei Drittel der Befragten (66,1 Prozent) erwarten von ihrem Arbeitgeber, dass er entsprechende digitale Lösungen anbietet. Dabei spielt offenbar die Größe des Unternehmens eine entscheidende Rolle. So erwarten 80 Prozent der Angestellten aus Großunternehmen von ihrem Arbeitgeber, dass er ihnen eine entsprechende Lösung ermöglicht. Bei den mittleren Unternehmen sind es nur 67,7 Prozent und bei den kleinen Unternehmen 58,1 Prozent.

Telearbeit: Auf die gute Gestaltung kommt es an

Einen Teil der Arbeit von zuhause aus zu erledigen, kann die Vereinbarkeit von Privatleben und Beruf verbessern und lange Pendelzeiten verringern. Allerdings hat nur rund jeder achte Beschäftigte Telearbeit mit seinem Arbeitgebenden vereinbart. Gleichzeitig arbeitet knapp jeder Dritte ohne Vereinbarung gelegentlich von zuhause aus. Dieses ungeregelte Arbeiten von zuhause geht häufig mit hoher Arbeitsbelastung und Überstunden einher. Daher ist es für die Gesundheit und Work-Life-Balance von Beschäftigten wichtig, die Arbeit von zuhause gut zu gestalten und die individuellen Bedürfnisse der Beschäftigten zu berücksichtigen.

Tageszeitung bei Bewerbern auf Platz eins

Ein erstaunliches Ergebnis: Über die Hälfte (59 Prozent) der Bewerber in Deutschland nutzen regelmäßig regionale Tageszeitungen, um sich über Karriere- und Arbeitsweltthemen zu informieren. Damit sind in diesem Kontext Tageszeitungen das meist genutzte Informationsmedium. Auch überregionale Tageszeitungen werden stark für Karrierezwecke genutzt und erreichen dafür eine Mediennutzung von 44 Prozent. Social Media Kanäle werden dagegen von nur einem Viertel (24 Prozent) genutzt, um sich über Arbeitgeber zu informieren.

Psychische Gesundheit am Arbeitsplatz

Unsere Arbeitswelt befindet sich in einem stetigen Wandel: Marktveränderungen, Digitalisierungsprozesse oder die Herausforderung, am Markt erfolgreich zu bleiben, fordern Arbeitgebende und Beschäftigte. Dabei können zunehmende Arbeitsintensität, Multitasking, ständige Erreichbarkeit sowie Termin- und Leistungsdruck Beschäftigte psychisch belasten. Umso wichtiger ist es, arbeitsbedingte Gefährdungen durch psychische Belastung am Arbeitsplatz festzustellen, zu reduzieren oder sogar zu vermeiden. Das Landesinstitut für Arbeitsgestaltung des Landes Nordrhein-Westfalen (LIA.nrw) stellt zwei neue Methoden vor.

Krank zur Arbeit?

Bei Krankheit stellen sich viele Berufstätige die Frage: Wann gehe ich (noch oder wieder) zur Arbeit und wann bleibe ich besser zuhause? Welche Folgen entstehen für mich und für meine Firma mit Blick auf Produktivität, Kosten und Zusammenarbeit? Studien zeigen, dass rund ein Drittel der Arbeitnehmenden auch krank zur Arbeit gehen. Heiko Breitsohl forscht an der Abteilung Personal, Führung und Organisation zum so genannten „Präsentismus“. In einer aktuellen Übersichtsarbeit kommt er gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen zum Schluss: Wir wissen zu wenig über das „Phänomen Präsentismus“ und seine Bedeutung und Folgen werden gravierend unterschätzt.

Wie Entscheidungsfreiheit und Rückenschmerzen zusammenhängen

Ein Team von Psychologinnen der TU Dresden hat in Zusammenarbeit mit Fachleuten aus den Gesundheitswissenschaften und der Arbeitsmedizin sowie der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin in einer Meta-Analyse psychosoziale Arbeitsmerkmale identifiziert, die im Zusammenhang mit dem Auftreten von chronischen unteren Rückenschmerzen stehen. So konnte gezeigt werden, dass nicht nur körperliche, sondern auch psychische und soziale Faktoren am Arbeitsplatz zu chronischen Rückenleiden beitragen können.

Unternehmenswandel gesund bewältigen

In der BIBB/BAuA-Erwerbstätigenbefragung berichteten 40 Prozent der abhängig Beschäftigten, dass sie in den vergangenen zwei Jahren wesentliche Umstrukturierungen in ihrem unmittelbaren Arbeitsumfeld erfahren haben. Solche Restrukturierungen, wie beispielsweise Ver- oder Auslagern von Unternehmensteilen, erhöhen das Risiko gesundheitlicher Beschwerden bei den Betroffenen. Ebenso sehen sie sich einer erhöhten Arbeitsintensität ausgesetzt. Gutes Führungsverhalten mildert diese Auswirkungen. Diese und weitere Ergebnisse enthält das neue Faktenblatt „Gesund durch die Restrukturierung – Das Führungsverhalten ist wichtig“ der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA).