Humor unter Kolleg*innen: Fettnäpfchen oder Erfolgsfaktor? Eine aktuelle Literaturanalyse zeigt, dass Humor Beziehungen stärken, Machtverhältnisse prägen und das Wohlbefinden steigern kann. Aber auch negative Auswirkungen sind möglich. Wann ist Humor im Job hilfreich und welche Chancen und Risiken birgt eine humorvolle Kommunikation?
Mit dem Humor ist es so eine Sache. Nicht jede Person versteht Ironie und manchmal misslingt es, mit einer humorvollen Bemerkung die Stimmung aufzulockern. Sollte man Humor im Arbeitskontext folglich besser vermeiden? Nicht unbedingt, denn Humor ist eine durchaus wichtige Komponente arbeitsbezogener Kommunikation und kann mitentscheidend für Sympathien, Karriere und Arbeitszufriedenheit sein. Das ist zumindest das Resultat einer aktuellen Literaturanalyse von Stephen Taylor, Jane Simpson und Claire Hardy von der britischen Lancester University, die 23 qualitative wissenschaftliche Studien zu Humor am Arbeitsplatz und dessen Folgen analysiert haben. Doch bevor wir uns die Ergebnisse genauer ansehen: Was ist eigentlich Humor?
Die Schwierigkeit einer Definition
Humor hat multiple Facetten und kann sich sowohl positiv als auch negativ auswirken, weshalb eine einheitliche Definition nicht existiert (Mesmer-Magnus et al., 2012). Bennett und Wilson (2018) ziehen sich z. B. auf die Definition zurück, Humor sei etwas, das Menschen zum Lachen bringe oder humorvoll reagieren lasse. Hay (2000) stellt hingegen die humorvolle Absicht in den Vordergrund, während Martin (1996) vier verschiedene Funktionen bzw. Stile von Humor formuliert:
- Affiliativ: Humor zum Amüsement anderer und zur Verbesserung sozialer Beziehungen
- Selbstförderlich: Humor als positiver Blick auf das Leben trotz Problemen oder Schwierigkeiten
- Aggressiv: Humor, um andere lächerlich zu machen oder zu diskriminieren
- Selbstabwertend: Selbstverunglimpfender Humor
Studien zufolge zeigen Menschen mit hoch ausgeprägter Extraversion, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit eher affiliativen und selbstförderlichen Humor, wohingegen aggressiver und selbstabwertender Humor mit Neurotizismus zusammenhängt (Martin & Ford, 2018).
Funktionen von Humor
Je nach Theorie werden unterschiedliche Ziele, die Menschen mit Humor verfolgen, in den Fokus gerückt. Laut der Überlegenheitstheorie nutzen Menschen Humor, um sich anderen gegenüber mächtiger und überlegen zu fühlen (Gruner, 1997). Die Erleichterungstheorie hingegen sieht die Funktion von Humor, Spannung zu senken und für eine gelöste Stimmung zu sorgen, im Vordergrund (Shurcliff, 1968). Ob etwas lustig erscheint bzw. humorvoll aufgenommen wird, liegt gemäß der Inkongruenztheorie daran, ob z. B. eine Äußerung mit Erwartungen bricht (Deckers & Devine, 1981; Morreall, 1997). Die neuere Verstehen-Elaborieren-Theorie (Wyer, 2003) ergänzt, dass Amüsement davon abhängt, ob der Humor verständlich und sozial akzeptiert ist (vgl. auch Cooper, 2008).
Humor im Arbeitskontext
Angesichts der vielen Facetten, Potenziale und Risiken von Humor wollten Taylor et al. (2025) mittels der hier vorgestellten Literaturanalyse herausfinden, inwieweit Humor im Arbeitskontext zu empfehlen ist. Dafür haben sie in einem systematischen Review 23 qualitative Studien analysiert. Die einbezogenen Studien stammten von 1996 bis 2020 und wurden in den USA, im Vereinigten Königreich, in Rumänien, Australien, Japan, Italien, Neuseeland, Schweden, Finland, Israel, Hongkong und auf den Philippinen durchgeführt. Es wurden Arbeitnehmende verschiedener Branchen untersucht: Bau, Gastgewerbe, Finanzen, Bildung, Einzelhandel, Handwerk, Bestattung und Rettungsdienst.
Das Ergebnis: Humor wird vielseitig eingesetzt. Konkret beschreiben die Forscher*innen vier Arbeitsbereiche, in denen Humor genutzt wird:
1. Einführung in den Unternehmenshumor
Schon bei der Personalauswahl ist die persönliche Chemie wichtig. Humor spiele dabei mitunter eine Art Gatekeeper-Funktion, da z. B. bei Heiss und Carmack (2012) Kandidat*innen der Vorzug gegeben wurde, die als witzig („funny“) empfunden wurden. Im Onboarding wird Humor ebenfalls gezielt eingesetzt: Neue Mitarbeitende nutzen ihn, um Beziehungen zu Kolleg*innen aufzubauen, und das Personal weist vorzugsweise humorvoll und dadurch nicht konfrontativ auf Fehler des bzw. der neuen Kolleg*in hin, sodass Humor ein „Lerntool“ (Taylor et al., 2025, S. 117) werden kann. Darüber hinaus helfe Humor laut Nelson (2014) und Mak et al. (2012) dabei, die Unternehmenswerte und -normen kennenzulernen und die eigene Rolle im Unternehmen zu finden, wozu auch das Austesten von Humorgrenzen gehöre (Martin, 2004).
2. Humor zur sozialen Integration
Innerhalb eines Unternehmens grenzen sich unterschiedliche Gruppen durch ihren Humor ab, z. B. Männern von Frauen (Clason, 2019), verschiedene Nationalitäten voneinander (Siegman, 2020) oder die Führungsebene von den Angestellten (Lynch, 2009). Humor stärkt den sozialen Zusammenhalt und die Solidarität innerhalb einer Gruppe (Ojha & Holmes, 2014), während andere ausgeschlossen werden (Charman, 2013). Um Gruppengrenzen zu überschreiten und Teil einer neuen Gruppe zu werden, sollte man sich auch dem Humor anpassen, sodass z. B. manche Frau in einer männlich dominierten Fabrikabteilung anzüglichen Humor schulterzuckend hinnehme (Clason, 2019).
3. Humor als Machtinstrument
Das eben angeführte Beispiel weist auf die Machtfunktion von Humor hin. So nutzten ehrgeizige Mitarbeitende Humor, um die Autorität von Führungskräften herauszufordern, indem sie sich z. B. über die Computerskills von Vorgesetzten mokierten oder Kritik an der Führung humorvoll verpackten (Watts, 2007). Doch auch Führungskräfte setzen Humor als Machtinstrument ein, etwa wenn sie Aufgaben an Angestellte delegieren oder das Team mit humorvollem Verweis auf fehlende Leistung anspornen. Zudem zeigte sich in dem Review, dass Arbeitnehmende humorig ihre Unzufriedenheit mit Arbeitsbedingungen (z. B. das Gehalt) zum Ausdruck bringen, damit ihre Forderungen „weicher“ erscheinen und weniger wahrscheinlich abgelehnt werden (Chefneux, 2015; Holmes, 2000).
4. Humor als Ventil bei Stress und Fehlern
Auch die von der Erleichterungstheorie angenommene Ventilfunktion von Humor war Thema im Review. So half Humor Arbeitnehmenden beim Umgang mit Langeweile und Resignation (Leith & Yerbury, 2017) sowie Konflikten in Arbeitsgruppen (Martin, 2004). Zudem ließ Humor Anweisungen von der Führung akzeptabler und weniger bedrohlich für die Autonomie der Angestellten erscheinen (Chefneux, 2015; Holmes, 2000). Auch kann Humor besonders in Berufen, die emotional belastend oder traumatisch sein können, z. B. in der Arbeit von Rettungskräften oder Gefängnispersonal (Charman, 2013; Eriksen, 2019; Tracy et al., 2006), Sicherheit und Erleichterung bieten und eine adaptive Funktion erfüllen.
Tipps für den Umgang mit Humor
Aus den Ergebnissen können folgende Tipps für die Praxis abgeleitet werden:
- Fördern Sie eine respekt- und humorvolle Kommunikationskultur, denn Humor kann helfen, die Teamatmosphäre und Arbeitsbeziehungen zu stärken
- Entwickeln Sie Leitlinien, wie humorvolle Sprache im Unternehmen angemessen genutzt werden kann, ohne andere zu diskriminieren oder zu verletzen.
- Nutzen Sie Humor als Ressource bei organisationalen Veränderungen, um Ängste oder Widerstand abzubauen.
- Bieten Sie Kommunikationstrainings an, in denen Humor als wirksames Werkzeug vermittelt wird, inklusive der Grenzen und Risiken
- In stressigen Zeiten (z. B. bei hoher Arbeitsbelastung oder unter Druck) kann Humor als Ventil dienen, um kurzfristig Spannungen abzubauen. Unternehmen können dies nutzen, indem sie informelle Austauschformate fördern.
Kritische Reflexion
Positiv an dem Review von Taylor et al. (2025) ist, dass die einbezogenen Studien unterschiedliche Untersuchungsmethoden nutzten und Stichproben unterschiedlicher Kulturen und Länder vertreten waren. Zudem wurden Arbeitnehmende verschiedener Branchen befragt, was ebenfalls die Generalisierbarkeit der Ergebnisse stützt.
Limitationen sind jedoch, dass nicht englischsprachige Studien per se ausgeschlossen wurden und dass im Review selbst kaum praktische Implikationen genannt werden. Zudem wurden ausschließlich qualitative Studien analysiert und das Risiko, dass Menschen sich mit ihren Bedürfnissen oder Ängsten nicht ernst genommen fühlen könnten, wenn humorvoll auf diese reagiert wird, wurde für den Arbeitskontext nicht ausreichend kritisch diskutiert.
Fazit
Die Studie zeigt: Humor ist mehr als ein Stimmungsaufheller. Er ist ein komplexes Kommunikationselement im arbeitsbezogenen Dialog. Damit er sich positiv auswirkt, erscheinen ein achtsamer und reflektierter Umgang sowie eine positive Unternehmenskultur wichtig.
Dieser Beitrag wurde verfasst von Isabelle Bock.
Vorgestellte Studie: Taylor, S., Simpson, J., & Hardy, C. (2025). The use of humor in employee-to-employee workplace communication: A systematic review with thematic synthesis. International Journal of Business Communication, 62(1), 106-130.







