KI und die Angst um den Job – Was Beschäftigte tun können

Annabelle Hofer

Foto: photoschmidt - Adobe Stock

Die Auswirkungen von KI auf die Arbeitswelt hängen nicht nur von der Technologie selbst ab, sondern auch davon, wie Beschäftigte und Unternehmen mit ihr umgehen. Welche Handlungsmöglichkeiten haben Beschäftigte und wie können sie sich auf den Wandel vorbereiten?

Ausgangslage: Was wir über KI und Beschäftigung wissen

Basierend auf Teil 1 der Artikelserie „KI und die Angst um den Job“, der die gesellschaftliche Diskussion auf Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse einordnet, gibt dieser Fortsetzungsbeitrag Beschäftigten Tipps, um langfristig beschäftigungsfähig zu bleiben.

KI verändert die Arbeitswelt und führt dazu, dass sich Tätigkeiten und Kompetenzanforderungen wandeln. Nach aktuellem wissenschaftlichem Kenntnisstand werden jedoch überwiegend einzelne Aufgaben automatisiert, während ganze Berufe deutlich seltener verschwinden. Die Auswirkungen unterscheiden sich je nach Tätigkeitsprofil und können bei Beschäftigten Arbeitsplatz-, Berufs- und Laufbahnunsicherheit auslösen. Da diese Unsicherheiten mit negativen Folgen für Gesundheit, Wohlbefinden und Arbeitsleistung verbunden sein können (Hofer, 2026a; Probst et al., 2025; Roll et al., 2023; Roll et al., 2025; Shoss, 2017; Spurk et al., 2022), gewinnt die langfristige Sicherung der eigenen Beschäftigungsfähigkeit zunehmend an Bedeutung. Im Folgenden werden konkrete Handlungsmöglichkeiten vorgestellt, mit denen Beschäftigte den Wandel aktiv gestalten können.

Tipp 1: Betrachten Sie einzelne Tätigkeiten anstatt des Berufes als Ganzes

Fokussieren Sie sich nicht auf Ihren erlernten Beruf im Allgemeinen, sondern überlegen Sie, welche Tätigkeiten in Ihrer aktuellen Stelle und in den damit verbundenen Tätigkeitsbereichen künftig durch KI ersetzt oder verändert werden können. Dies liefert Ihnen ein differenzierteres Bild und bietet Ihnen Ansatzpunkte, um besser zu verstehen, welche Kompetenzen zukünftig in Ihrem Tätigkeitsfeld an Bedeutung gewinnen und welche Kompetenzen Sie entsprechend erweitern sollten, um mittel- und langfristig Ihre Beschäftigungsfähigkeit am Arbeitsmarkt zu erhalten. Vielleicht haben Sie zukünftig sogar mehr Zeit, sich spannenden und anspruchsvollen Tätigkeiten zu widmen, anstatt Routineaufgaben zu erledigen.

Tipp 2: Bauen Sie KI-Kompetenzen aktiv auf

Bauen Sie aktiv KI-Kompetenzen auf und erhöhen Sie Ihre Fähigkeiten, KI-Systeme zu verstehen und sinnvoll zu nutzen, sodass Sie eine hohe KI-Literacy entwickeln (vgl. Nestler et al., 2026). Dabei ist zu berücksichtigen, dass sich die für einen kompetenten KI-Einsatz relevanten Kompetenzen und Anforderungen je nach Tätigkeitsbereich unterscheiden und dass auch innerhalb einer Tätigkeit Arbeitsschritte unterschiedlich gut für den Einsatz von KI geeignet sind (vgl. Nestler et al., 2026, Beispiel KI in der psychologischen Forschung).

Die Einführung KI-basierter Technologien kann bei Beschäftigten Widerstand hervorrufen, insbesondere wenn damit Veränderungen etablierter Arbeitsweisen und Routinen verbunden sind (Valtonen & Holopainen, 2025). Personen unterscheiden sich darin, wie offen sie für Veränderungen sind, sowie in ihren Einstellungen und Ängsten gegenüber neuen Technologien (Tang et al., 2022; Wang & Wang, 2022). Je mehr Ängste Personen haben, desto seltener nutzen sie KI. Damit Personen die Chancen und Risiken von KI realistisch einschätzen können und die Vorteile der Implementierung für sich im Arbeitskontext sehen und weniger Ängste gegenüber neuen Technologien haben, bedarf es der Wissensvermittlung, der Erhöhung der KI-Literacy sowie der offenen Kommunikation seitens der Unternehmen zu den Zielen der Implementierung. Daher sollten Sie die KI-Tools, die in Ihren Unternehmen angeboten werden, nutzen und sich bei Bedarf entsprechend weiterbilden.

Tipp 3: Verstehen Sie Lernen als kontinuierlichen Prozess

Insbesondere wenn es um neue Technologien geht, die sich schnell weiterentwickeln, ist es wichtig, auf dem neuesten Stand zu bleiben. Daher sollten Sie das Lernen als lebenslangen Prozess verstehen und versuchen, sich regelmäßig Zeit zu nehmen, um sich neues Wissen und praktische Fertigkeiten im Bereich der KI anzueignen.

Tipp 4: Stärken Sie Ihre menschlichen Kompetenzen

Stärken Sie Ihre menschlichen Kompetenzen. Entwickeln Sie Ihre Kommunikationsfähigkeit, Ihren Führungsstil und Ihre Problemlösefähigkeiten systematisch weiter. Trainieren Sie zudem Ihre Kreativität. Machen Sie den Faktor Mensch zu Ihrer persönlichen Stärke, indem Sie diese Kompetenzen proaktiv im Arbeitsalltag einsetzen. Je mehr KI standardisierte Aufgaben und Prozesse übernimmt, desto wichtiger wird es, die Fähigkeiten zu stärken, die den Menschen in der Zusammenarbeit auszeichnen: Empathie, Wertschätzung, Vertrauen und persönliches Feedback.

Tipp 5: Begegnen Sie Unsicherheiten aktiv

Aus den bereits genannten Tipps ergibt sich die Empfehlung, den mit der KI-Implementierung verbundenen Unsicherheiten proaktiv zu begegnen. Bereiten Sie sich aktiv auf mögliche Veränderungen und neue Anforderungsprofile auf dem Arbeitsmarkt sowie in Ihrem Unternehmen vor, indem Sie den obenstehenden Tipps folgen und Ihre Beschäftigungsfähigkeit sowohl innerhalb als auch außerhalb Ihres aktuellen Unternehmens sichern. Sollten die Tätigkeiten, denen Sie nachgehen, aufgrund der Implementierung von KI mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht mehr existieren, denken Sie frühzeitig darüber nach, wo Ihnen ein Quereinstieg gelingen könnte oder welche alternativen Berufe und Tätigkeiten Sie interessieren. Lassen Sie sich bei Bedarf von Berufs-, Studien- und Laufbahnberater*innen oder Karriere-Coaches beraten oder coachen (Hofer, 2026b). Nutzen Sie zudem weitere Unterstützungsangebote wie die Ihres Unternehmens sowie Ihr privates und berufliches Netzwerk, um den Unsicherheiten aktiv zu begegnen.

Die Rolle von Unternehmen und der Politik

Neben den Beschäftigten sollten auch weitere Stakeholder wie Unternehmen, Gewerkschaften, die Politik und die Gesellschaft insgesamt Verantwortung in Zeiten der Unsicherheit und des technologischen Fortschritts übernehmen (Hofer & Spurk, 2026). Beispielsweise müssen sich Unternehmen darüber Gedanken machen, wie sie Personal aus- und weiterbilden, wenn Junior-Stellen von KI übernommen werden und es nur noch Stellen für Personen mit mehrjähriger Berufserfahrung gibt, jedoch keine Unternehmen, die diese ersten Jahre der Berufserfahrung ermöglichen. Darüber hinaus müssen dem Bildungssektor beispielsweise Mittel zur Verfügung gestellt werden, um KI-bezogene Kompetenzen frühzeitig vermitteln zu können. Zudem bedarf es konkreter Strategien, die dazu dienen, Personen, die aufgrund von KI ihre Stellen verloren haben, wieder in eine angemessene Arbeit zu vermitteln.

Ausblick

Die Implementierung von KI im Arbeitskontext geht mit Chancen und Risiken einher. Beschäftigte sollten diesen proaktiv begegnen, um ihre Beschäftigungsfähigkeit sowohl innerhalb als auch außerhalb des aktuellen Unternehmens langfristig zu sichern. Darüber hinaus sollte gesamtgesellschaftlich nach Lösungen für den Umgang mit den notwendigen Investitionen in lebenslanges Lernen gesucht werden.

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