Studie zeigt: KI kann Selbstwirksamkeit und Kreativität fördern

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Künstliche Intelligenz wird häufig als Bedrohung für menschliche Kreativität diskutiert. Eine aktuelle Studie zeigt jedoch, dass KI kreative Leistungen auch fördern kann, sofern sie die kreative Selbstwirksamkeit der Mitarbeitenden stärkt. Auch ein transformationaler Führungsstil spielt eine Schlüsselrolle.

Die Kreativität von Mitarbeitenden ist für Innovation, Anpassungsfähigkeit und Erfolg von Unternehmen sehr bedeutsam (Amabile, 1996; Dong et al., 2017). Ist sie durch das Vordringen der KI auch in der Arbeitswelt bedroht? Wie sich der Einsatz von KI bei der Arbeit auf die Leistung, das Engagement und Einstellungen von Beschäftigten auswirkt, wurde bereits intensiv erforscht (Braganza et al., 2021; Li et al., 2024; Tang et al., 2023). Der Einfluss auf die Kreativität stellt hingegen derzeit noch eine Forschungslücke dar (Jia et al., 2024; Kaplan & Haenlein, 2019).

Dieser Lücke hat sich eine neue Studie von Jeeyoon Jeong und Insik Jeong von der Korea University Business School angenommen und das Zusammenspiel von KI, Kreativität und Selbstwirksamkeit untersucht sowie den Stellenwert transformationaler Führung diskutiert.

Selbstwirksamkeit und Kreativität

Laut Bandura (1997) bestimmt Selbstwirksamkeit das Verhalten und die Leistung von Menschen in zentraler Weise, wobei Selbstwirksamkeit als die subjektive Überzeugung von den eigenen Fähigkeiten beschreibt. Damit Mitarbeitende kreative Leistungen erbringen, ist der Glaube an die eigene Befähigung zur Kreativität (also die „kreative Selbstwirksamkeit“) essenziell. Menschen mit einer höheren kreativen Selbstwirksamkeitsüberzeugung stellen sich wahrscheinlicher und ausdauernder kreativen Herausforderungen (Tierney & Farmer, 2002) und erhalten so mehr Gelegenheiten, sich kreativ auszudrücken oder Probleme kreativ zu lösen (Beghetto, 2006). Das liegt v. a. daran, dass sie kreative Aufgaben weniger als bedrohlich denn als Chance zur Weiterentwicklung empfinden (Bandura, 2001). Zudem hängt kreative Selbstwirksamkeit mit kognitiver Flexibilität und Offenheit für neue Erfahrungen zusammen, was kreatives Denken begünstigt (Karwowski et al., 2013).

Warum sollte KI die Kreativität steigern können?

Es gibt mehrere Gründe, deretwegen KI für die Kreativität von Mitarbeitenden förderlich sein könnte:

  • KI kann in kurzer Zeit große Datenmengen verarbeiten. Nutzen Menschen die Informationen der KI, können sie auf einen erweiterten Wissensschatz zurückgreifen und gelangen womöglich zu innovativeren Ideen (Amabile & Pratt, 2016).
  • KI nimmt Menschen Routineaufgaben ab, sodass mehr Kapazitäten da sind, sich kreativen Herausforderungen zu widmen (Raisch & Krakowski, 2021).
  • Indem Menschen beobachten, wie KI an Probleme herangeht und welche Lösungen sie entwickelt, können sie womöglich neue Problemlösestrategien verinnerlichen.
  • Unternehmen, die KI in ihre Abläufe integrieren, schaffen häufig ein innovationsfreundlicheres Arbeitsumfeld, sind experimentier- und risikofreudiger (Canhoto & Clear, 2020) und ermöglichen Beschäftigten somit eher, sich kreativ auszudrücken (Gong et al., 2009).

Einfluss transformationaler Führung

Das Führungsverhalten ist ein Schüsselfaktor dafür, wie gut KI-Technologien in Arbeitsabläufe integriert werden (Quaquebeke & Gerpott, 2023). Transformational führende Vorgesetzte zeichnen sich dadurch aus, dass sie sich für die individuellen Mitarbeitenden interessieren, diese durch Inspiration motivieren, intellektuell stimulieren und einen idealisierten Einfluss auf sie ausüben (Bass & Riggio, 2006). Dieser Führungsstil schafft stabile Beziehungen zu Mitarbeitenden und erhöht die Wahrscheinlichkeit für Leistung und Commitment beim Personal (Wang et al., 2011). Kann transformationale Führung dazu beitragen, dass sich der Einsatz von KI positiv auf die kreative Selbstwirksamkeit des Personals auswirkt? Jeeyoon Jeong und Insik Jeong (2025), deren Studie im Folgenden näher vorgestellt wird, vermuten dies, weil transformationale Führung mitunter die Selbstwirksamkeit der Beschäftigten in den Fokus rückt.

Aufbau der Studie

Insgesamt wurden 236 Personen zu drei Zeitpunkten im Abstand von je einer Woche befragt. Am ersten Untersuchungstag beantworteten die Teilnehmenden Fragebögen dazu,

  • wie und in welchem Umfang ihr Unternehmen KI einsetzt und
  • inwieweit ihre Führungskraft transformational führt

Am zweiten Untersuchungstag wurde die kreative Selbstwirksamkeit gemessen und bei der dritten Messung füllten die Teilnehmenden Fragebögen zum Ausmaß ihren kreativen Leistungen aus. Die Antworten wurden mittels hierarchischer Regressionsanalyse ausgewertet.

Die Ergebnisse

Es zeigte sich wie erwartet ein positiver Effekt vom Einsatz der KI im Unternehmen auf die Kreativität der Beschäftigten. Auch stieg die kreative Selbstwirksamkeit an, wenn Angestellte viel mit KI zusammenarbeiteten, und diese höhere Selbstwirksamkeit ging wiederum mit mehr tatsächlicher Kreativität einher. Die Mediationsanalyse bestätigte die Vermutung, dass kreative Selbstwirksamkeit den positiven Effekt von KI-Anwendung auf die Kreativität bedeutend vermittelt. Abschließend erwies sich transformationale Führung als bedeutsam für den Zusammenhang von KI und kreativer Selbstwirksamkeit.

Ist die Sorge vor KI als Jobkiller also unbegründet?

Die Studie verdeutlicht, dass kreative Selbstwirksamkeit eine entscheidende Rolle für die Auswirkungen von KI auf die Kreativität von Arbeitnehmenden spielt und dass der Führungsstil die Selbstwirksamkeit bedeutend prägen kann. Wie sich KI auswirkt, hängt somit davon ab, wie sie die Selbstwirksamkeit beeinflusst. Für Unternehmen und Führungskräfte ergeben sich folgende Empfehlungen:

  • KI sollte genutzt werden, um menschliche Arbeit zu erweitern und zu unterstützen, und nicht, um sie zu ersetzen.
  • Transformationale Führungskompetenzen sollten gefördert werden, z. B. durch Führungskräfteentwicklung, Coaching oder Mentoring, um so ein positives Zusammenspiel von KI und Selbstwirksamkeit zu stärken.
  • Unternehmen sollten eine Arbeitskultur schaffen, in der Kreativität und Initiative wertgeschätzt werden. Beispielsweise können sie Mitarbeitende in ihrer kreativen Selbstwirksamkeit stärken, indem sie Innovationswerkstätten oder kollaborative Plattformen anbieten, in denen kreative Ideen ausgetauscht werden können. Ebenfalls wichtig sind konstruktives Feedback und das Feiern kreativer Erfolge.
  • Um generell Widerstand und Vorurteilen gegenüber der KI abzubauen, empfiehlt es sich, Mitarbeitende bei der Implementierung von KI im Unternehmen aktiv einzubinden, ihre Wünsche und Bedürfnisse zu erfragen und die Vorteile der KI für kreative Leistungen zu vermitteln.

Kritik an der Studie

Die Studie weist einige Limitationen auf, die es bei der Interpretation der Ergebnisse zu beachten gilt:

  1. Die Daten basieren auf der Selbsteinschätzung der Teilnehmenden und unterliegen somit der subjektiven Wahrnehmung. Auch der Common-Method-Bias kann Zusammenhänge zwischen den Konstrukten künstlich entstehen lassen, da alle Merkmale mit derselben Methode (Fragebogen) erfasst wurden.
  2. Des Weiteren ist keine Aussage zur kulturübergreifenden Gültigkeit möglich, da ausschließlich Arbeitnehmende aus Südkorea untersucht wurden. Die Kulturfrage ist auch daher interessant, dass die Einstellung zu KI und zu Kreativität durchaus vom eigenen kulturellen Hintergrund geprägt sein kann.
  3. Weitere Wirkfaktoren sollten in zukünftigen Studien untersucht werden, z. B. die Unternehmenskultur oder das Arbeitsengagement.
  4. Für kausale Aussagen braucht es Langzeitstudien.
  5. Potenzielle negative Auswirkungen von KI auf das Wohlbefinden und die Arbeitszufriedenheit, z. B. durch Verunsicherung, Stress oder Sorgen, wurden nicht berücksichtigt, könnten aber auch negative Auswirkungen auf die Kreativität und Selbstwirksamkeit haben.

Fazit

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass KI menschliche Kreativität nicht einschränken muss, sondern sie unter den richtigen Bedingungen sogar fördern kann. Entscheidend sind dabei eine Arbeitsumgebung, die kreative Selbstwirksamkeit stärkt, sowie Führungskräfte, die KI als Unterstützung für menschliche Ideen statt als Ersatz für Mitarbeitende verstehen.

Der Beitrag wurde verfasst von Isabelle Bock.

Vorgestellte Studie

Jeong, J., & Jeong, I. (2025). Driving creativity in the AI-enhanced workplace: Roles of self-efficacy and transformational leadership. Current Psychology44(9), 8001-8014.

Weitere Literatur

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