Gehaltsverhandlung: So vermeiden Sie Konflikte

Wenn bei einer Gehaltsverhandlung die Interessen von Führungskräften und Angestellten aufeinandertreffen, ist das Konfliktpotenzial groß. Mit dem Setzen der richtigen Rahmenbedingungen, einer guten Vorbereitung auf das Gehaltsgespräch und den nötigen Soft Skills können Sie Streitigkeiten während der Verhandlung gezielt vermeiden.

Eine Gehaltsverhandlung ist für Mitarbeitende und Führungskräfte eine herausfordernde und gleichzeitig sehr emotionale Angelegenheit. Kochen in der Hitze des Gefechts die Emotionen über, wird aus der entspannten Unterhaltung schnell ein unangenehmes Streitgespräch. Konflikte und die daraus resultierende Unzufriedenheit und Demotivation lassen sich jedoch vermeiden.

Was Sie als Führungskraft tun können, um Konflikte bei Gehaltsverhandlungen gar nicht erst aufkommen zu lassen:

1. Gehaltsverhandlung gewissenhaft vorbereiten

Ohne Vorbereitung in eine Gehaltsverhandlung gehen? Lieber nicht! Als Führungskraft sollten Sie dieses Gespräch kontrollieren und die Richtung ganz klar vorgeben. Neben einer groben Planung des Gesprächsablaufs ist auch das Einholen von Informationen zur Arbeitsleistung des:der entsprechenden Mitarbeitenden Teil einer guten Vorbereitung.

Bewerten Sie die Qualität der geleisteten Arbeit und überlegen Sie sich, welche Lohnerhöhung dafür angemessen ist. Setzen Sie dann schon vorab fest, wie hoch die Lohnerhöhung maximal ausfallen darf und wie groß Ihre Spielräume sind. Machen Sie sich zudem Gedanken darüber, welche Alternativen Sie zu einem höheren Lohn anbieten können (z. B. Homeoffice-Tage).

2. Passenden Zeitpunkt und geeignete Rahmenbedingungen wählen

Gehaltsverhandlung werden nie willkürlich, sondern zu ganz bestimmten Zeitpunkten angesetzt (Ernst, 2021). Jährliche Mitarbeitergespräche sind hier beliebt, aber auch nach Abschluss eines großen Projektes, bei einer Beförderung oder nach Beendigung der Probezeit können Verhandlungen stattfinden.

Gehen Sie dabei als Führungskraft aktiv auf Ihre Mitarbeitenden zu und bieten Sie von sich aus ein Gehaltsgespräch an. Das vermittelt Wertschätzung und vermeidet Frustration. Setzen Sie den Termin einige Zeit im Vorhinein fest, sodass Sie und Ihr Gegenüber genügend Zeit haben, sich gut auf das Gespräch vorzubereiten.

Neben dem passenden Zeitpunkt ist auch das Setting, in dem das Gespräch stattfindet, wichtig. Führen Sie die Gehaltsverhandlung nicht zwischen Tür und Angel, sondern wählen Sie einen diskreten Ort, an dem sie ungestört sprechen können. Schaffen Sie zudem eine angenehme Gesprächsatmosphäre, indem Sie mit etwas Smalltalk in die Verhandlung einsteigen.

3. Welche Gehaltsvorstellungen sind fair?

Eine durchschnittliche Gehaltserhöhung liegt bei rund fünf bis 15 Prozent (arbeitsrechte.de, 2022) und ist u. a. von den folgenden Faktoren abhängig:

  • Zeitpunkt der Lohnerhöhung: Nach Beendigung der Probezeit ist eine geringere Lohnerhöhung angemessen als nach einer Beförderung.
  • Grund für die Lohnerhöhung: Handelt es sich um die jährliche Standard-Lohnanpassung, fällt diese geringer aus als jene nach Abschluss eines wichtigen Projekts.
  • Position des:der Mitarbeitenden: Bei einem höheren Grundgehalt können auch wenige Prozent eine starke Lohnerhöhung bedeuten. Bei einem geringen Grundgehalt kann ein höherer Prozentsatz angemessen sein.

Wie viele Prozent im jeweiligen Fall fair sind, muss individuell festgelegt werden. Passen Sie jedoch auf, dass die Erhöhung nicht grundlos zu niedrig ausfällt. Die Frustration Ihrer Mitarbeitenden steigt nämlich schnell, wenn sie ohne triftigen Grund mit geringen zwei bis drei Prozent abgespeist werden. Über kurz oder lang werden diese Mitarbeitenden kündigen, wenn Sie Ihnen nicht mit einem angemessenen Gehalt entgegenkommen.

Eine Frau sitzt für den Alltag zurechtgemacht mit Tablet am Esstisch.

Zusätzliche Homeoffice-Tage können eine Alternative zur Gehaltserhöhung sein (Foto: RF._.studio – pexels.com)

4. Alternativen zu einem höheren Gehalt anbieten

Ist eine (angemessene) Gehaltserhöhung aus bestimmten Gründen nicht möglich, können Sie Ihren Mitarbeitenden eine Alternative anbieten. Für Arbeitnehmende können beispielsweise die Option auf Homeoffice-Tage, flexible Arbeitszeiten oder Fahrtkostenzuschüsse ebenso attraktiv sein wie eine große Lohnerhöhung. Außerdem lässt sich eine geringere Gehaltserhöhung mit solchen Benefits aufbessern.

5. Mit diesen Fragen und Argumenten müssen Sie rechnen

Ihre Angestellten werden natürlich versuchen, das Maximum an Gehalt herauszuholen. Sie werden argumentieren, um ihre Lohnforderung zu rechtfertigen. Argumente für eine Gehaltserhöhung gibt es viele, die folgenden kommen besonders häufig vor (techminds):

  • „Meine guten Leistungen rechtfertigen ein höheres Gehalt.“
  • „Mein größerer Verantwortungsbereich verlangt eine Gehaltsanpassung.“
  • „Ich haben Fortbildungen absolviert, die dem Unternehmen von Nutzen sind.“

Haben Sie sich gut auf das Gehaltsgespräch vorbereitet, wissen Sie, ob diese Argumente der Wahrheit entsprechen oder ob dies nur eine subjektive Wahrnehmung des:der Mitarbeitenden ist. Daneben kann es vorkommen, dass emotionale Argumente wie „meine Kolleg:innen verdienen auch mehr“ auftauchen. Diese sollten Sie jedoch sofort entkräfen, denn emotionale Aspekte sind für eine Gehaltserhöhung nicht relevant.

Zudem können Ihre Mitarbeitenden auch mit direkten Fragen auf Sie zukommen. Diese können sich beispielsweise auf die eigenen Leistungen beziehen. Aber auch die Frage, warum das Wunschgehalt nicht gerechtfertigt ist, kann aufkommen. Seien Sie in beiden Fällen ehrlich und erläutern Sie Ihren Standpunkt.

6. Wenn doch Streit droht: Deeskalation mit den richtigen Soft Skills

Im besten Fall sollte man Streit in der Gehaltsverhandlung gar nicht erst aufkommen lassen. Da eine gute Verhandlung jedoch immer von Ihrem Gegenüber abhängig ist, kann es durchaus vorkommen, dass das Gespräch droht, ein Konflikt zu werden. Hier gilt es für Führungskräfte früh genug einzuschreiten.

Nutzen Sie hier Ihre Empathie und beobachten Sie Ihr Gegenüber genau. Bleiben Sie im Gespräch objektiv und lassen Sie sich nicht von emotionalen Argumenten mitreißen. Bieten Sie stattdessen eine Kompromisslösung an, etwa eine stufenweise Gehaltserhöhung. Auf diese Weise profitieren beide Parteien.

Fazit: Vorbereitung ist das A und O

Bereiten Sie sich als Führungskraft eingehend auf das bevorstehende Gehaltsgespräch vor, bringt das viele Vorteile mit sich: Sie wissen genau, wie viel Gehalt Sie anbieten können und wissen, welche Argumente für eine Erhöhung sprechen. Das sind die besten Voraussetzungen für eine faire Verhandlung.

 

Literatur

arbeitsrechte.de (zuletzt aktualisiert 15.10.2022). Gehaltserhöhung: Gibt es spezielle Vorschriften im Arbeitsrecht? Online unter: https://www.arbeitsrechte.de/gehaltserhoehung/#Gehaltserhoehung_Wie_viel_koennen_Sie_verlangen

Ernst, M. (2021). Wann ist der beste Zeitpunkt für die Gehaltsverhandlung? Online unter: https://www.derstandard.de/story/2000129547760/wann-ist-der-beste-zeitpunkt-fuer-die-gehaltsverhandlung

techminds. Gehaltsverhandlung: So wird sie zum Erfolg! Online unter: https://techminds.de/magazin/gehaltsverhandlung/