Studie zeigt: Wertschätzung und Herzgesundheit hängen zusammen

Foto: Довидович-Михаил - Adobe Stock

Wertschätzung am Arbeitsplatz gilt als wichtiger Faktor für Motivation, Wohlbefinden und psychische Gesundheit. Eine Studie zeigt, dass Anerkennung bei der Arbeit sogar mit einer besseren Herzgesundheit und einem geringeren Risiko für koronare Herzerkrankungen zusammenhängt.

Wird Menschen bei der Arbeit mit Wertschätzung begegnet, steigt ihr Wohlbefinden und sie berichten von einer besseren Gesundheit. Lässt sich der positive Effekt auf die Gesundheit auch anhand biologischer Marker nachweisen? Die Forscher*innen Alisa Auer, Norbert K. Semmer, Roland von Känel, Livia Thomas, Claudia Zuccarella-Hackl, Roland Wiest und Petra H. Wirtz von den Universitäten Konstanz, Bern und Zürich sind dieser Frage mit einer Studie nachgegangen.

Warum ist Wertschätzung wichtig?

Studien weisen darauf hin, dass Wertschätzung bei der Arbeit mit mehr Wohlbefinden (Gilbert & Kelloway, 2018), Enthusiasmus (Pfister et al., 2020a), Arbeitszufriedenheit (Van Quqaquebeke & Eckloff, 2010; Pfister et al., 2020b), Selbstwertgefühl (Merino & Privado, 2015), einer besseren Gesundheit (Wöhrmann et al., 2017), weniger depressiven Symptomen (Pohrt et al., 2022) oder emotionaler Erschöpfung (Spence Laschinger & Finegan, 2005) sowie mit weniger Rückenschmerzen (Elfering et al., 2018) zusammenhängt. Konsequenterweise geht Wertschätzung auch mit weniger AU-Tagen (Hinkka et al., 2013) und Frühberentung (Sundstrup et al., 2018) einher.

Diese Zusammenhänge könnten zustande kommen, weil Wertschätzung an fundamentale menschliche Bedürfnisse, z. B. dem Bedürfnis nach Zugehörigkeit (Baumeister & Leary, 1995), anknüpft. Zudem kann Wertschätzung als eine Art Ausgleich für die Anstrengung aufgefasst werden, die man bei der Arbeit zugunsten von Leistung erbringt, wodurch Stress vorgebeugt wird (Siegrist, 1996). Des Weiteren stärkt Anerkennung persönliche Ressourcen wie das Selbstwertgefühl (Semmer et al., 2019) sowie soziale Unterstützung an sich stressreduzierend wirkt (Cobb, 1976; Semmer et al., 2008).

Was bedeutet Wertschätzung für die Herzgesundheit?

Dass die positiven Auswirkungen von Wertschätzung auch auf körperlicher Ebene sichtbar sind, ist anzunehmen, wurde jedoch bislang noch nicht hinlänglich erforscht. Auer et al. (2024), die Verfasser*innen der hier vorgestellten Studie, haben sich daher angeschaut, ob eine hohe Wertschätzung das Risiko für koronare Herzerkrankungen (KHK) senkt.

Die Stichprobe

An der Studie nahmen 103 berufstätige Männer teil. 25 waren KHK-Patienten, 40 Personen hatten Bluthochdruck, 32 hatten normale Blutdruckwerte und bei 6 Personen variierte der Blutdruck zwischen hoch und normal. Die Teilnehmer waren durchschnittlich 50 Jahre alt, arbeiteten mindestens 20 Stunden pro Woche und deckten mit ihren Arbeitsbranchen ein breites Spektrum ab.

Die Messungen

Per Fragebogen wurden vier psychologische Variablen erfasst:

  • Wertschätzung bei der Arbeit
  • Soziale Unterstützung
  • Selbstwertgefühl
  • Leidensdruck aufgrund fehlender Anerkennung

Zur Einschätzung des Risikos für KHK wurde das Blut der Teilnehmer auf folgende Marker hin untersucht:

  • Diabetes-Marker HbA1c
  • Blutfettwerte
  • Gerinnungswerte
  • Entzündungswerte

Die Ergebnisse

Die statistischen Analysen führen deutlich vor Augen, dass Wertschätzung bei der Arbeit signifikant mit einem geringen Risiko, an einer KHK zu erkranken, assoziiert ist. Die Zusammenhänge zwischen Anerkennung und den Biomarkern, insbesondere Blutdruck und Blutfettwerten, bestand unabhängig vom Alter, BMI, Rauchverhalten oder Medikamentenkonsum der Teilnehmenden. Wertschätzung schien hierbei auch der zentrale Faktor zu sein, denn die anderen psychologischen Variablen, z. B. Selbstwertgefühl, hingen nur signifikant mit einem geringen KHK-Risiko zusammen, wenn auch Wertschätzung bei der Arbeit einkalkuliert wurde.

Was folgt aus den Ergebnissen?

Da Wertschätzung bekanntermaßen mit vielen positiven Gefühlen einhergeht, vermuten die Studienautor*innen, dass der positive Zusammenhang von Wertschätzung und Herzgesundheit hauptsächlich über positive affektive Pfade läuft. Dies zu erforschen, steht jedoch noch aus.

Trotzdem ist bereits klar, dass sich die Stärkung von Wertschätzung bei der Arbeit in vielerlei Hinsicht lohnt. Unternehmen und Führungskräfte, die in Wertschätzung investieren wollen, könnten…

  • Programme und Regelungen in Reaktion auf erbrachte Leistungen und Erfolge von Beschäftigten organisieren,
  • Angestellten interessante Aufgaben zuweisen,
  • persönlich gegenüber Mitarbeitenden Lob und Anerkennung ausdrücken.

Wichtig dabei sei, aktiv nach Erfolgen und Anerkennenswertem Ausschau zu halten; Anstrengungen zu würdigen, selbst wenn der Erfolg noch nicht eingetreten ist; Wertschätzung zeitnah und spezifisch-konkret zu äußern und diese auch nicht nur den bekannten High Performer*innen zuteil kommen zu lassen.

Stärken und Schwächen der Studie

Die Studie zeichnet sich durch diverse Stärken und Schwächen aus, die es bei der Interpretation zu beachten gilt.

Stärken:

  • Erfassung des KHK-Risikos anhand wichtiger biologischer Risikofaktoren.
  • Einbezug einer breiten Teilnehmergruppe (von normalem bis hohem Blutdruck, mit/ohne KHK), um eine große Spannweite der Risikofaktoren abzudecken.
  • Kontrolle verschiedener möglicher Störfaktoren.

Limitationen:

  • Die Übertragbarkeit der Ergebnisse ist eingeschränkt (männliche, vornehmlich mittelalte Stichprobe)
  • Mögliche Einflüsse von Beruf, Arbeitsbedingungen oder Schichtarbeit wurden nicht untersucht.
  • Unterschiede zwischen Kulturen wurden nicht untersucht.
  • Körperliche Aktivität wurde nicht erfasst, obwohl sie ein wichtiger Risikofaktor für KHK ist.
  • Es können aufgrund des Querschnittsdesigns keine kausalen Zusammenhänge nachgewiesen werden.

Fazit

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass Wertschätzung am Arbeitsplatz nicht nur das Wohlbefinden stärkt, sondern auch mit günstigeren biologischen Gesundheitsmarkern verbunden ist. Zwar sind weitere Studien nötig, um die Kausalität des Zusammenhangs zu klären. Dennoch unterstreichen die Befunde die Bedeutung einer wertschätzenden Unternehmenskultur für die Gesundheit von Beschäftigten. Eine solche Kultur zu etablieren, sollte sich für Unternehmen und Beschäftigte auf vielerlei Ebenen auszahlen.

Dieser Beitrag wurde verfasst von Isabelle Bock.

Vorgestellte Studie

Auer, A., Semmer, N. K., von Känel, R., Thomas, L., Zuccarella-Hackl, C., Wiest, R., & Wirtz, P. H. (2024). Taking appreciation to heart: Appreciation at work and cardiovascular risk in male employeesFrontiers in Public Health12, 1284431.

Weitere Literatur

Weitere Artikel zum Thema