Workations verbinden Arbeiten und Urlaub und könnten für Unternehmen ein wirksames Instrument im Wettbewerb um Fachkräfte sein. Eine aktuelle Studie zeigt, dass insbesondere junge Menschen sowie Personen mit internationaler Erfahrung Arbeitgeber attraktiver bewerten, wenn diese Workations ermöglichen.
Homeoffice oder Urlaub – oder einfach beides? Workations vereinen Arbeiten und Urlaub für einen festgelegten Zeitraum (Silverman, 2015). Beispielsweise können Workations entstehen, wenn Mitarbeitende ihren Arbeitgeber aus dem Urlaub heraus bitten, einige Tage dranhängen und vom Urlaubsort aus arbeiten zu dürfen (Voll et al., 2023), oder wenn Businessreisen noch durch einige Tage Urlaubszeit verlängert werden (Lichy & McLeay, 2018). Ebenfalls handelt es sich um Workations, wenn Mitarbeitende ohne explizite Zustimmung des Arbeitgebers von Urlaubsorten aus arbeiten (Bassyiouny & Wilkesmann, 2023).
Eine neue Studie, die sich mit offiziell genehmigten Workations von mindestens drei Monaten Dauer beschäftigt, haben Jean-François Stich (Centre Européen de Recherche en Économie Financière et Gestion des Entreprises, Nancy, Frankreich), Antonio Díaz Andrade (Universitetet I Agder, Kristiansand, Norway) und Wendelin M. Kuepers (Corvinus University of Budapest, Ungarn) die Attraktivität dieses Formats im Vergleich zu anderen Formen von Remote Work und internationalen Reisen untersucht. Diese anderen Arbeitsformen haben mit Workations gemein, dass sie für Personen im Angestelltenverhältnis gelten, und grenzen sich damit vom ortsflexiblen Arbeiten beispielsweise digitaler Nomaden ab.
Folgende Arbeitsarrangements wurden verglichen:

Außerdem untersuchte die Studie, ob es für die Bewertung von Jobangeboten mit Auslandsoption relevant ist, ob sich Personen an ihrem Heimatort wohlfühlen und ob sie viel zu verlieren hätten, würden sie ihre Heimat verlassen.
Vorgehen der Studie
Die Forscher*innen führten zwei Untersuchungen durch, an denen insgesamt 351 Personen teilnahmen.
In die erste Studie flossen die Daten von 147 Teilnehmenden ein, die insgesamt vier fiktive Stellenausschreibungen für eine Managementposition zu lesen bekamen. Die Stellenausschreibungen variierten dahingehend, ob keine internationalen Dienstreisen, Flexpatriation, Expatriation oder Workations in Aussicht gestellt wurden. Das Vorgehen in der zweiten Studie mit 204 Teilnehmenden war identisch, jedoch wurden hier Workations mit der Möglichkeit zu Telearbeit, partieller Telearbeit, voller Telearbeit oder keiner Telearbeit verglichen. Die Reihenfolge, in der die Jobanzeigen gelesen wurden, variierte zufällig. Anschließend sollten die Versuchspersonen die Attraktivität des Unternehmens bewerten.
Die Teilnehmenden füllten außerdem vor dem Lesen der Jobanzeigen Fragebögen zu folgenden Inhalten aus:
- Einstellung zu internationalen Erfahrungen
- Bisherige internationale Erfahrungen
- Ihre Eingebundenheit an ihrem Heimatort
- Demografische Angaben
Für wen sind Workations attraktiv?
Folgende Ergebnisse wurden in der Studie beobachtet:
- Personen mit positiven Einstellungen zu internationalen Erfahrungen bewerteten Jobanzeigen mit expliziter Option für Auslandstätigkeiten (Dienstreisen, Workation oder dauerhafte Auslandstätigkeit) positiver als die Jobanzeigen ohne Auslandsoption.
- Auch für Personen, die bereits viel internationale Erfahrungen gesammelt hatten, stieg die Attraktivität von Unternehmen mit expliziter Option für Auslandstätigkeiten, während sie bei Personen mit wenig internationaler Erfahrung sank.
- Verglich man die Bewertung von Jobs mit Workation-Option und Jobs mit inkludierten Dienstreisen oder dauerhafter Auslandstätigkeit, wurde die Attraktivität von Unternehmen mit Workation-Jobs jedoch wider Erwarten nicht höher eingeschätzt von Personen mit einer guten Einbindung an ihrem Heimatort, die zu viel aufgeben müssten, wenn sie ins Auslands gingen, im Vergleich zu Personen ohne einen solch engen Heimatbezug.
- Personen mit positiven Einstellungen zu internationalen Erfahrungen oder mit viel Auslandserfahrung bewerteten Jobanzeigen mit expliziter Workation-Option positiver als Jobanzeigen, die lediglich (partielle) Telearbeit oder gar keine Telearbeit anboten.
- Unternehmen, die Workations in Aussicht stellten, wurden von Personen positiver bewertet, die sich an ihrem Heimatort nicht wohlfühlen, aber viel aufgeben müssten, würden sie ihn dauerhaft verlassen. Die Forscher*innen vermuten, dass für diese Personengruppe Workations eine gute Zwischenmöglichkeit bieten, weil nur Workations – anders als Dienstreisen oder dauerhafte Auslandstätigkeiten – es erlauben, der Heimat für eine beträchtliche Zeit zu entkommen, ohne lokale Bindungen und Verpflichtungen zu verlieren.
- In der ersten Teilstudie wurden Unternehmen mit Workation-Angebot von jungen Teilnehmenden positiver bewertet als von älteren.
Was bedeuten die Ergebnisse für die Praxis?
Workations unterscheiden sich zwar konzeptionell von Dienstreisen oder Auslandsjobs, sind jedoch in ihrer Bedeutsamkeit für die Attraktivität von Unternehmen offenbar vergleichbar. Für Unternehmen ist die Information, dass insbesondere Menschen, die Auslandstätigkeiten positiv beurteilen und selbst bereits viel gereist sind, die Möglichkeit für Workations zu schätzen wissen. Unternehmen, die für Mitarbeitende mit internationaler Expertise attraktiv sein und diese an sich binden wollen, sollten daher erwägen, die Option für Workations bereits in der Stellenanzeige zu nennen. Wichtig ist, dass Unternehmen die rechtlichen, administrativen, sozialen und organisatorischen Voraussetzungen kennen und bieten können, die es braucht, damit Workations zum Nutzen aller realisiert werden können.
Kritik und offene Fragen
Bei der Interpretation der Ergebnisse sind folgende Kritikpunkte an der Studie zu berücksichtigen:
- Eingeschränkte Generalisierbarkeit: Beide Untersuchungen fanden in Frankeich statt. In anderen Ländern gelten andere Vorschriften und Einstellungen hinsichtlich Workations und Auslandstätigkeiten, weshalb die Ergebnisse für andere Kulturen eventuell nicht gelten.
- Fehlende Differenzierung: Eine Unterscheidung zwischen selbstinitiierten und vom Unternehmen veranlassten Auslandsaufenthalten wäre sinnvoll.
- Kausalität nicht prüfbar: Das Querschnittsdesign lässt keine kausalen Aussagen zu.
- Weitere Einflussfaktoren: Um die Untersuchung nicht unnötig lang zu machen, wurden die Fragebögen bewusst kurzgehalten. Weitere potenzielle Einflussfaktoren (z. B. das Gehalt, sonstige Benefits) blieben somit außen vor.
Darüber hinaus ergeben sich folgende offene Fragen, mit denen sich weitere Forschung beschäftigen sollte:
- Welche Rolle spielen die Dauer und räumliche Entfernung von Workations?
- Wie werden Workations im Vergleich zum digitalen Nomadentum bewertet?
- Wie beeinflussen kulturelle Unterschiede und landesspezifische Richtlinien die Beurteilung von Workations?
- Welche Rolle spielen Workations hinsichtlich der Work-Life-Balance, Arbeitszufriedenheit und –motivation sowie des Teamzusammenhalts?
Fazit
Insgesamt lässt sich festhalten, dass Workations ein wirkungsvolles Instrument sind, um die Attraktivität eines Unternehmens zu steigern, insbesondere bei einer jungen, reiseaffinen Zielgruppe.
Dieser Beitrag wurde verfasst von Isabelle Bock.
Vorgestellte Studie:
Stich, J. F., Díaz Andrade, A., & Kuepers, W. M. (2025). Combining work and vacation: workation as an attractive work arrangement. Personnel Review, 54(6), 1501-1520.
Weitere Literatur
Bassyiouny, M., & Wilkesmann, M. (2023). Going on workation–Is tourism research ready to take off? Exploring an emerging phenomenon of hybrid tourism. Tourism Management Perspectives, 46, 101096.
Lichy, J., & McLeay, F. (2018). Bleisure: motivations and typologies. Journal of Travel & Tourism Marketing, 35(4), 517-530.
Silverman, R.E. (2015), “This Summer, How About a Workcation?”, Wall Street Journal, 23 June.
Voll, K., Gauger, F., & Pfnür, A. (2023). Work from anywhere: Traditional workation, coworkation and workation retreats: A conceptual review. World Leisure Journal, 65(2), 150-174.







