Studie zeigt: Grübeln wegen Arbeitsstress raubt den Schlaf

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Arbeitsstress endet für viele Menschen nicht mit dem Feierabend, sondern bringt sie sogar um ihren Schlaf. Eine aktuelle Studie zeigt, das Grübeln dabei besonders problematisch ist und welche Konsequenzen sich daraus für Prävention und Behandlung ergeben.

Wie gut Menschen schlafen, ist ein guter Indikator für das Wohlbefinden und die mentale Gesundheit (Scott et al., 2021). Andersrum sind Schlafstörungen häufig Vorläufer oder Begleiterscheinungen psychischer Erkrankungen (Palagini et al., 2022) und hängen obendrein mit zahlreichen Krankheiten, z. B. Diabetes oder kardiovaskulären Erkrankungen, und einer eingeschränkten Leistungsfähigkeit zusammen (Gabarino et al., 2016; Gärtner et al., 2010).

Wie Arbeitsstress den Schlaf stören kann

Arbeitsbezogener Stress kann die Schlafqualität gefährden. Nach dem Job-Demand-Control-Modell (Karasek, 1979) entsteht Arbeitsstress durch hohe Anforderungen gepaart mit geringer Kontrolle. Eine andere Theorie, das Effort-Reward-Imbalance-Modell (Siegrist, 1996; Siegrist et al., 2004), sieht eine Dysbalance von Anstrengungen und Belohnungen (z. B. Geld, Wertschätzung) als Ursache für subjektiv empfundenen Stress bei der Arbeit. In der Tat ergab z. B. die Meta-Analyse von Yang et al. (2018), dass eine solche Dysbalance mit Schlaflosigkeit zusammenhängt.

Dauerhafte kognitive Aktivierung, weil ständig über einen Stressor nachgedacht wird, kann sich auf die Gesundheit auswirken (Brosschot et al., 2005; Meurs & Perrewé, 2011). Dieses Grübeln, das auch stattfindet, wenn der Stressor nicht in der Nähe ist oder die Umgebung den Stressor anderweitig in den Fokus rückt, bedeutet im Arbeitskontext, dass einen Arbeitsinhalte über den Feierabend hinaus gedanklich beschäftigen (Weigelt et al., 2023).

Neue Studie untersucht Grübeln durch Arbeitsstress

Eine aktuelle Studie von Noura Matti, Charlotte Mauczok, Julian Eder, Magdalena Katharina Wekenborg, Marlene Penz, Andreas Walther, Clemens Kirschbaum, Markus B. Specht und Nicole Rothe (Universitäten Mainz, Dresden, Linz, Zürich, Wiesbaden) hat sich angeschaut, wie Arbeitsstress, Grübeln und Schlafschwierigkeiten zueinander in Beziehung stehen.

Genutzt wurden Daten, die im Rahmen der Dresdener Burnout-Studie (Penz et al., 2018) erhoben worden sind. Konkret flossen die Daten von 360 Personen, die zwischen 2019 und 2023 zu drei Messzeitpunkten im Abstand von mindestens einem Jahr Angaben für die Dresdner Burnout-Studie gemacht hatten, und die generellen Aufnahmekriterien erfüllten, in die Analyse ein. Die Teilnehmenden hatten per Fragebogen zu folgenden Variablen Auskünfte gegeben:

  • Dysbalance von Anstrengung und Belohnung
  • Schlafqualität
  • Arbeitsbezogenes Grübeln mit den Dimensionen emotional belastendes Grübeln (z. B. Anspannung), Grübeln über Problemlösung und mentales Abschalten
  • Kontrollvariablen: Alter, Geschlecht, BMI, depressive Symptome

Die Forscher*innen wollten die Annahme prüfen, dass Arbeitsstress Beschäftigte nach Feierabend mehr grübeln lässt und dies wiederum die Schlafqualität beeinträchtigt.

Die Ergebnisse

Eine hohe Dysbalance von Anstrengung und Belohnung bei der Arbeit ging mit einer geringeren Schlafqualität einher. Im Vergleich der Daten mehrerer Messzeitpunkte zeigte sich, dass eine hohe Dysbalance eine verminderte Schlafqualität vorhersagt. Des Weiteren war eine hohe Dysbalance ein signifikanter Prädiktor für affektives Grübeln und schlechteres Abschalten, nicht jedoch für das Grübeln über Lösungen für arbeitsbezogene Probleme. Alle drei Dimensionen des Grübelns sagten eine reduzierte Schlafqualität vorher. In der Mediatorenanalyse, die prüfen sollte, ob Arbeitsstress Schlafprobleme bedingt, weil er die Tendenz zum Grübeln steigert, zeigte sich, dass affektives Grübeln und geringeres mentales Abschalten, nicht aber das Nachgrübeln über Arbeitsprobleme, den Zusammenhang einer Dysbalance von Anstrengung und Belohnung mit einem schlechteren Schlaf bedingen.

Was bedeuten die Ergebnisse für die Praxis?

Die Studie hebt Grübeln als wichtigen Faktor für die negative Auswirkung von Arbeitsstress auf die Schlafqualität hervor, woraus sich wichtige Implikationen ergeben: Zum einen gilt es, dass bei der Behandlung von Schlafproblemen auch kognitiven Prozessen wie dem Grübeln Aufmerksamkeit geschenkt werden sollte, um Betroffene durch gezielte Interventionen zu unterstützen. So könnte arbeitsbezogenes Grübeln durchaus einen aufrechterhaltenden Faktor für Schlafschwierigkeiten darstellen, dem beispielsweise durch Psychotherapie begegnet werden könnte.

In der Freizeit über die Lösung von Arbeitsproblemen nachzudenken, hat laut der Studie keinen negativen Einfluss auf den Schlaf; emotional belastendes Grübeln und eine geringe Distanzierungsfähigkeit hingegen umso mehr. Es gilt somit, v. a. diesen beiden Aspekten des Grübelns durch Interventionen und Präventionsmaßnahmen entgegenzuwirken. Werden diese Faktoren im Rahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagement beachtet, kann sich dies langfristig auf das Wohlbefinden und die Produktivität der Beschäftigten auswirken.

Kritik an der Studie

Kritisch hervorzuheben sind an der Studie folgende Punkte:

  1. Die Daten basieren auf den Selbsteinschätzungen der Teilnehmenden und unterliegen somit subjektiven Verzerrungen und potenziellen Einflüssen sozialer Erwünschtheit.
  2. Die Messzeitpunkte lagen jeweils ein Jahr auseinander, was einen großen Zeitraum darstellt und Kausalitätsaussagen erschwert, da weitere Faktoren zwischen den Messungen Einfluss haben können.
  3. Einige Messzeitpunkte fielen in die Zeit der Corona-Pandemie, was die Ergebnisse ebenfalls beeinflusst haben könnte.
  4. Es wird nicht auf konkrete Interventionsmöglichkeiten zur Reduktion von arbeitsbezogenem Grübeln eingegangen.

Fazit

Die Ergebnisse sprechen dafür, dass emotional belastendes Grübeln und mangelndes mentales Abschalten den Zusammenhang zwischen Arbeitsstress und schlechter Schlafqualität mit erklären. Maßnahmen, die Beschäftigte dabei unterstützen, nach Feierabend emotional Abstand von der Arbeit zu gewinnen, könnten deshalb sowohl den Schlaf als auch das langfristige Wohlbefinden verbessern.

Der Beitrag wurde verfasst von Isabelle Bock.

Vorgestellte Studie

Matti, N., Mauczok, C., Eder, J., Wekenborg, M. K., Penz, M., Walther, A., … & Rothe, N. (2026). Work-related stress and sleep quality—the mediating role of rumination: a longitudinal analysisSomnologie30(1), 32-42.

Weitere Literatur

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