Studie: Rückkehr in den Job nach Erschöpfung braucht ganzheitliche Unterstützung

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Stress und Erschöpfung zählen europaweit zu den häufigen Ursachen für längere Arbeitsunfähigkeitszeiten. Eine schwedische Studie zeigt, wie Unternehmen und Führungskräfte Beschäftigte nach einem Erschöpfungssyndrom unterstützen können, um gesund und langfristig leistungsfähig in den Beruf zurückzukehren.

Psychische Erkrankungen und stressbedingte Störungen sind eine häufige Ursache für Arbeitsunfähigkeit und lange Krankheitszeiten. Diese Tendenz ist in ganz Europa zu beobachten (Aumayr-Pintar et al., 2018).

Erschöpfung schadet der Gesundheit, Leistung und Produktivität

Im Zentrum stressbedingter Erkrankungen steht häufig ein Erschöpfungssyndrom. Folgende Merkmale machen diesen Erschöpfungszustand aus (Glise et al., 2012; 2014):

  • Fehlende mentale und körperliche Energie
  • Schlafstörungen
  • Kognitive Beeinträchtigungen
  • Körperliche Symptome
  • Geringere Stresstoleranz

Eine aktuelle Studie aus Schweden von Anja Beno, Ingibjörg H. Jonsdottir und Agneta Lindegård (2025) hat untersucht, welche Faktoren wichtig sind, damit die Rückkehr aus der erschöpfungsbedingten Arbeitsunfähigkeit an den Arbeitsplatz gelingt.

Dafür wurden 136 ehemalige Patient*innen einer Klinik sieben bis zwölf Jahre nach der Behandlung einem klinischen Screening unterzogen. Von diesen nahmen 20 Personen (14 Frauen, 6 Männer) an halbstrukturierten Interviews zu ihrer Arbeitssituation während des Rehabilitationsprozesses teil, welche die empirische Basis der hier vorgestellten Studie von Beno et al. (2025) darstellt.

Was ist für die Rückkehr in den Job entscheidend?

Die Interviews wurden transkribiert und inhaltlich nach einem induktiven Ansatz ausgewertet. Die Erkenntnisse lassen sich in drei Kategorien einteilen:

1) Unternehmensmerkmale

Die Teilnehmenden empfanden es als hilfreich, wenn ihre Aufgaben, Ziele, Rollen und Anforderungen klar definiert wurden. Viele hätten sich mehr gewünscht, dass nicht bloß auf individueller Ebene Arbeitsabläufe hinterfragt worden wären, sondern auch die Organisation und ihre Prozesse als Ganzes in den Blick genommen worden wären.

Darüber hinaus ist es hilfreich, wenn sich Betroffene von ihrem Umfeld verstanden fühlen: Dazu tragen sowohl die Vermittlung von Wissen zu stressbedingten Erkrankungen als auch Gemeinschaftsgefühl und Teamzusammenhalt bei. Ebenfalls positiv war, wenn Betroffene wussten, dass sie Kolleg*innen bei Bedarf um Hilfe bitten können, ohne Angst vor Verurteilung, und dass diese verstehen und akzeptieren, wenn sie noch nicht wieder genauso viel leisten können wie der Rest. Einige Befragte hingegen bemängelten, dass das Zusammenspiel von Erschöpfung und hohem Stress mit geringerer Leistungsfähigkeit häufig eben nicht im Bewusstsein von Unternehmen verankert sei und es somit an präventiven Maßnahmen fehle.

2) Führungsverhalten

Führungskräften kommt im Rehabilitationsprozess eine bedeutsame Rolle zu. Die Befragten empfanden es als besonders positiv, wenn ihre Vorgesetzten sich engagiert, ansprechbar und präsent zeigten. Aufmerksame Vorgesetzte konnten schneller erkennen, wenn Betroffene an ihre Grenzen kamen, und dabei unterstützen, die Arbeitssituation individuell anzupassen.

Empathie wurde ebenfalls sehr positiv bewertet, und sei es ein einfaches „Wie geht es dir?“, aber auch die Versicherung, es sei am wichtigsten, dass die Betroffenen wieder ganz gesund würden, war für die Befragten sehr wertvoll und trug zu einer vertrauensvollen Beziehung zur Führungskraft bei. Wurden Betroffene nach ihren Bedürfnissen gefragt und konnten ihre Arbeit an diese individuell anpassen, förderte das ebenfalls eine gesunde Rückkehr ins Berufsleben. Führungskräfte sollten ansonsten mit darauf achten, ob es Spannungen oder Konflikte im Team gibt, und bei deren Beilegung helfen.

3) Bedürfnisorientierung

Ein erfolgreicher Wiedereinstieg beruht ebenfalls darauf, dass die Zurückkehrenden ihre Arbeit entsprechend ihrer Bedürfnisse gestalten können und dafür auf die Befürwortung ihres Arbeitgebers vertrauen können. Flexibilität, beispielsweise bei den Arbeitszeiten oder durch eine Homeoffice-Regelung, ist von enormer Bedeutung. Generell gab es den Befragten ein befreiendes Gefühl, wenn sie ihre Arbeit mit strukturieren und gestalten konnten.

Darüber hinaus empfanden die Teilnehmenden es als hilfreich, wenn vorab ein individueller Rückkehrplan abgesteckt worden ist, der die verschiedenen Schritte des Wiedereinstiegs klar definiert.

Durch die Bedürfnisorientierung veränderte sich der Job für manche der Befragten tatsächlich im Vergleich zur Zeit vor ihrer Arbeitsunfähigkeit. Bei manchen wechselten die Arbeitsaufgaben, andere reduzierten ihre Arbeitsstunden, manche arbeiteten mehr als vor. Für manche war es jedoch notwendig, ihren Arbeitsplatz gänzlich zu wechseln, für einen echten Neuanfang, bei dem sie besser auf ihre Bedürfnisse und ihre Gesundheit aufpassen konnten. So gesehen empfanden viele die gesundheitliche Krise als Chance, ihr Berufsleben so neu auszurichten, dass Leistung und Gesundheit sich nicht länger ausschließen.

Kritik an der Studie

Bei der Interpretation der Ergebnisse sind folgende Limitationen zu berücksichtigen:

  • Die kleine Stichprobengröße und die Überrepräsentation von weiblichen Teilnehmenden schränken die Generalisierbarkeit von Schlussfolgerungen ein.
  • Die Stichprobe könnte auch insofern nicht repräsentativ für die Betroffenengruppe sein, da Menschen eventuell in Abhängigkeit davon, wie gut ihr Rehabilitationsprozess gelaufen ist, zur Teilnahme an den Interviews bereit waren.
  • Es wurden lediglich Patient*innen einer Klinik rekrutiert. Diese wiesen ein höheres Bildungsniveau als die Durchschnittsbevölkerung auf.

Die Studie sollte somit als exploratorische Annäherung an die Frage, wie Unternehmen und Führungskräfte Mitarbeitende, die aufgrund von Stress krank geworden sind und in den Job zurückkehren möchten, unterstützen können, betrachtet werden.

Fazit

Die Studie macht deutlich, dass eine erfolgreiche Rückkehr in den Beruf nicht allein von den Betroffenen abhängt, sondern auch von den Rahmenbedingungen im Unternehmen und dem Verhalten der Führungskräfte. Klare Strukturen, Empathie, Flexibilität und eine individuelle Gestaltung des Wiedereinstiegs können dazu beitragen, Gesundheit und berufliche Leistungsfähigkeit langfristig miteinander zu vereinbaren.

Der Beitrag wurde verfasst von Isabelle Bock.

Vorgestellte Studie

Beno, A., Jonsdottir, I. H., & Lindegård, A. (2026). Facilitating Return to Work through a Broader Perspective on Vocational Rehabilitation: Insights from Patients with Stress-Related Disorders. Journal of Occupational Rehabilitation36(3), 783-792.

Weitere Literatur

Aumayr-Pintar, C., Cerf, C., & Parent-Thirion, A. (2018). Burnout in the Workplace: A Review of the Data and Policy Responses in the EU.

Glise, K., Ahlborg Jr, G., & Jonsdottir, I. H. (2012). Course of mental symptoms in patients with stress-related exhaustion: does sex or age make a difference?. BMC psychiatry12(1), 18.

Glise, K., Ahlborg Jr, G., & Jonsdottir, I. H. (2014). Prevalence and course of somatic symptoms in patients with stress-related exhaustion: does sex or age matter. BMC psychiatry14(1), 118.

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